Risiken und Warnzeichen
Ashwagandha Nebenwirkungen: was die Daten wirklich zeigen
Am häufigsten berichtet werden Magen-Darm-Beschwerden, Benommenheit, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Ernster einzuordnen sind vereinzelte Fallberichte über Leberschäden: Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Lebererkrankungen 2024 ausdrücklich von der Einnahme ab.
Diese Seite fasst zusammen, was Behörden und Studien zu unerwünschten Wirkungen von Ashwagandha berichten. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer Medikamente einnimmt, chronisch erkrankt ist, schwanger ist oder stillt, sollte vor einer Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Welche Nebenwirkungen am häufigsten berichtet werden
Die Beschwerden, die in Studien und Meldesystemen am regelmäßigsten auftauchen, sind vergleichsweise harmlos und klingen meist nach dem Absetzen wieder ab. Es geht überwiegend um den Magen-Darm-Trakt und um das Nervensystem.
Im Verdauungsbereich werden Übelkeit, Bauchschmerzen, weicher Stuhl bis hin zu Durchfall und in einzelnen Fällen Erbrechen geschildert. Auf der neurologischen Seite stehen Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen und eine ausgeprägte Müdigkeit im Vordergrund. Letzteres ist insofern erwartbar, als Ashwagandha in Studien vor allem wegen seiner beruhigenden Komponente untersucht wurde. Was sich als erwünschte Wirkung beschreiben lässt, kann tagsüber schlicht stören.
Deutlich seltener genannt werden Hautausschläge und Juckreiz. Diese Reaktionen sind in der Regel allergischer Natur und nicht dosisabhängig.
Ein wichtiger Vorbehalt gilt für alle diese Angaben: Das BfR hält 2024 fest, dass unerwünschte Wirkungen von Ashwagandha in Humanstudien bisher kaum systematisch untersucht wurden. Die Studien waren auf Wirksamkeit ausgelegt, nicht auf Sicherheit. Häufigkeitsangaben, wie man sie von zugelassenen Arzneimitteln kennt, existieren für Ashwagandha deshalb nicht. Wie viel dichter die Sicherheitsdaten bei anderen Substanzen sein können, zeigt der Vergleich mit den Nebenwirkungen von Kreatin, wo Wechselwirkungen und Langzeitdaten tatsächlich untersucht sind.
| Bereich | Berichtete Beschwerden | Einordnung | Wann ärztlich abklären |
|---|---|---|---|
| Magen-Darm | Übelkeit, Bauchschmerzen, weicher Stuhl, Erbrechen | Am häufigsten berichtet | Bei anhaltenden Beschwerden |
| Nervensystem | Benommenheit, Schwindel, Kopfschmerzen, starke Müdigkeit | Häufig, oft dosisabhängig | Bei Beeinträchtigung im Alltag |
| Haut | Ausschlag, Juckreiz | Selten, meist allergisch | Bei Ausbreitung oder Atemnot sofort |
| Leber | Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, Oberbauchschmerzen | Einzelfallberichte, ernst zu nehmen | Sofort, Präparat absetzen |
| Schilddrüse | Veränderte Hormonwerte | Vor allem bei Vorerkrankung relevant | Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung vorab |
Ashwagandha und die Leber: was hinter den Fallberichten steckt
Dies ist der Punkt, der die Diskussion um Ashwagandha in den letzten Jahren am stärksten geprägt hat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung veröffentlichte im September 2024 eine Mitteilung, in der Fallberichte über Leberschäden im zeitlichen Zusammenhang mit dem Verzehr ashwagandhahaltiger Präparate zusammengefasst sind.
Aus der Fachliteratur stammt unter anderem eine indische Fallserie von Philips und Kollegen aus dem Jahr 2023, die mehrere Patienten mit ashwagandhaassoziierten Leberschädigungen beschreibt. In Deutschland wurde ein Fall bekannt, bei dem eine zuvor gesunde 22-jährige Patientin nach dem Konsum von Ashwagandha-Kapseln Juckreiz, Gelbsucht und erhöhte Leberwerte entwickelte.
Diese Berichte richtig einzuordnen ist wichtig, und zwar in beide Richtungen. Auf der einen Seite handelt es sich um Einzelfälle bei einem Stoff, den weltweit sehr viele Menschen einnehmen. Ein Fallbericht belegt keinen ursächlichen Zusammenhang und sagt nichts über die Häufigkeit aus. Auf der anderen Seite ist ein Muster erkennbar, das sich in mehreren Ländern unabhängig voneinander zeigte, und genau das hat die Behörden aufmerksam gemacht.
Praktisch bedeutsam sind die Warnzeichen. Wer während einer Einnahme eine Gelbfärbung von Haut oder Augenweiß, ungewöhnlich dunklen Urin, hellen Stuhl, anhaltende Oberbauchschmerzen, Appetitverlust oder auffällige Schwäche bemerkt, sollte das Präparat absetzen und ärztlich abklären lassen. Diese Empfehlung findet sich übereinstimmend bei BfR und Apotheken Umschau.
Menschen mit einer bestehenden Lebererkrankung fallen nach Einschätzung des BfR in die Gruppe, die Ashwagandha gar nicht einnehmen sollte. Auch die Kombination mit anderen leberbelastenden Substanzen, Alkohol eingeschlossen, ist in diesem Zusammenhang zu bedenken.
Blutdruck: warum die Richtung nicht festgelegt ist
Beim Blutdruck ist die Informationslage widersprüchlicher, als es die meisten Quellen darstellen. Verbreitet ist die Angabe, Ashwagandha könne hohen Blutdruck senken. In populären Ratgebern findet sich daneben die Aussage, umgekehrt lasse sich auch niedriger Blutdruck damit behandeln. Beide Angaben stammen aus der traditionellen Anwendung, nicht aus kontrollierten Blutdruckstudien.
Was sich seriös sagen lässt: Eine blutdrucksenkende Tendenz ist plausibel, weil Ashwagandha in Studien den Cortisolspiegel senkte und beruhigend wirkte. Belastbare Studien mit dem Blutdruck als primärer Zielgröße fehlen jedoch.
Klinisch relevant wird das vor allem in einer Konstellation: bei gleichzeitiger Einnahme blutdrucksenkender Medikamente. Das BfR führt Blutdruckmittel ausdrücklich als Bereich möglicher Wechselwirkungen. Verstärken sich beide Effekte, kann der Blutdruck stärker abfallen als beabsichtigt. Wer entsprechende Medikamente nimmt, sollte eine Einnahme deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache beginnen.
Für gesunde Personen ohne Blutdruckmedikation liegen keine Berichte über kritische Blutdruckabfälle vor. Die Einordnung, wie schnell und wie stark sich überhaupt etwas verändert, steht auf unserer Seite zur Ashwagandha Wirkungsdauer.
Herz und Herzrhythmus
Zu dieser Frage findet sich im deutschsprachigen Netz auffällig wenig, obwohl sie regelmäßig gestellt wird. Deshalb hier die nüchterne Bestandsaufnahme.
Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Ashwagandha und Herzrhythmusstörungen ist nicht belegt. In den vorliegenden kontrollierten Studien wurde der Herzrhythmus nicht als eigene Zielgröße erhoben, und in den Fallberichten der Behörden stehen Leber und Magen-Darm-Trakt im Vordergrund, nicht das Herz. Wer in Erfahrungsberichten von Herzklopfen oder innerer Unruhe liest, findet dort echte Schilderungen, aber keine Daten, aus denen sich eine Häufigkeit oder ein Mechanismus ableiten ließe.
Bei bestehenden Herzrhythmusstörungen oder gehäuften Extrasystolen gilt daher dasselbe wie bei jeder anderen Herzerkrankung: Die Frage gehört in die kardiologische Sprechstunde, weil eine unklare Datenlage etwas anderes ist als eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.
Einen konkreten und gut dokumentierten Berührungspunkt mit der Kardiologie gibt es allerdings. Ashwagandha kann die Messung von Digoxin im Blut verfälschen. Digoxin ist ein Herzmedikament, das bei Herzschwäche und bestimmten Rhythmusstörungen eingesetzt wird und dessen Blutspiegel engmaschig kontrolliert werden muss. Der Grund für die Störung ist chemischer Natur: Withaferin A, ein Hauptinhaltsstoff der Wurzel, ähnelt Digoxin in seiner Struktur und wird von einigen Labortests deshalb mitgemessen. Untersuchungen von Dasgupta und Kollegen bestätigen diese Interferenz für mehrere gängige Testverfahren. Wird der Wert verfälscht, kann das zu falschen Dosisentscheidungen führen. Wer Digoxin einnimmt, sollte Ashwagandha deshalb nicht ohne Rücksprache dazunehmen und das Labor über die Einnahme informieren.
Der Vollständigkeit halber gehört ein indirekter Weg dazu. Ashwagandha kann Schilddrüsenwerte beeinflussen, und eine Schilddrüsenüberfunktion kann ihrerseits Herzrasen und Rhythmusstörungen auslösen. Über diesen Umweg ist ein Zusammenhang theoretisch denkbar, ohne dass er im Einzelfall je nachgewiesen worden wäre. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat und zusätzlich Herzbeschwerden bemerkt, sollte beides gemeinsam abklären lassen statt getrennt.
Bleibt die praktische Frage, was bei berichtetem Herzklopfen tatsächlich dahintersteckt. Eine naheliegende Erklärung liegt außerhalb der Substanz selbst: Wer ein Mittel gegen Stress einnimmt, achtet danach oft bewusster auf den eigenen Körper und nimmt Herzschläge wahr, die vorher unbemerkt blieben. Das entwertet die Schilderungen nicht, macht aber deutlich, warum sich aus Erfahrungsberichten allein kein Risiko ableiten lässt.
Womit Ashwagandha nicht kombiniert werden sollte
Auch zu dieser Frage liefert das Netz meist nur allgemeine Hinweise. Die folgende Übersicht bündelt, was BfR und Verbraucherzentrale zu Wechselwirkungen und Kontraindikationen festhalten.
Der gemeinsame Nenner der kritischen Kombinationen: Ashwagandha wirkt beruhigend, greift in den Hormonhaushalt ein und kann Blutzucker und Blutdruck beeinflussen. Überall dort, wo ein Medikament in dieselbe Richtung wirkt, können sich Effekte addieren. Alle fünf Medikamentengruppen samt Alkohol und der einen unproblematischen Kombination haben wir auf der Seite zu den Schlafbeere Wechselwirkungen im Detail aufgeschlüsselt.
| Substanzgruppe | Beispiele | Mögliches Problem |
|---|---|---|
| Beruhigungs- und Schlafmittel | Benzodiazepine, Z-Substanzen | Verstärkte Müdigkeit und Benommenheit |
| Blutdrucksenker | ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika | Blutdruck kann zu stark abfallen |
| Antidiabetika | Metformin, Insulin | Blutzucker kann zu stark sinken |
| Schilddrüsenhormone | L-Thyroxin | Hormonwerte können sich unkontrolliert verschieben |
| Immunsuppressiva | Mittel nach Transplantation, bei Autoimmunerkrankung | Gewollte Dämpfung des Immunsystems kann gestört werden |
| Herzglykoside | Digoxin | Laborwert kann verfälscht werden |
| Alkohol | — | Verstärkte Sedierung, zusätzliche Leberbelastung |
Zu harmlosen Kombinationen mit anderen Nahrungsergänzungsmitteln, etwa Vitamin D oder Magnesium, sind keine Probleme berichtet. Das ist allerdings kein Sicherheitsnachweis, sondern schlicht das Fehlen von Meldungen. Bei jeder laufenden Medikation gilt: Die Frage gehört in die Arztpraxis oder die Apotheke, wo die vollständige Medikamentenliste vorliegt.
Häufig gestellt wird auch die umgekehrte Frage, nämlich womit sich Ashwagandha sinnvoll kombinieren lässt. Dazu ist die Datenlage dünn. Kombinationspräparate werden zwar breit angeboten, doch untersucht wurden in den vorliegenden Studien fast durchgehend Einzelextrakte. Ob sich Effekte in einer Mischung addieren, ist damit nicht geprüft, und für die Beurteilung von Nebenwirkungen wird die Sache dadurch eher unübersichtlicher als klarer.
Ein praktischer Hinweis betrifft Antidepressiva, nach denen ebenfalls oft gesucht wird. Hier gilt dieselbe Logik wie bei Beruhigungsmitteln: Beide greifen in die Stressverarbeitung ein, ohne dass ein Zusammenspiel untersucht wäre. Eine pauschale Entwarnung ist deshalb nicht möglich, eine pauschale Warnung aber ebenso wenig. Wer entsprechende Medikamente einnimmt, klärt die Frage mit der behandelnden Praxis.
Wer Ashwagandha gar nicht nehmen sollte
Das BfR nennt 2024 vier Gruppen, für die von einer Einnahme abgeraten wird. Diese Einordnung ist deutlicher formuliert als bei den meisten pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln. Fachlich spricht man hier von einer Kontraindikation, also einem Umstand, der gegen die Anwendung spricht.
Schwangere und Stillende. Hier fehlen belastbare Sicherheitsdaten vollständig, zusätzlich wird ein Risiko für den Schwangerschaftsverlauf angeführt. In der traditionellen Anwendung wurde Ashwagandha unter anderem als wehenförderndes Mittel eingesetzt, was diese Zurückhaltung erklärt.
Kinder und Jugendliche. Für diese Altersgruppe existieren keine Daten zur Sicherheit. Das ist kein Hinweis auf besondere Gefahr, sondern schlicht eine Leerstelle, die eine Empfehlung unmöglich macht.
Menschen mit Lebererkrankungen. Vor dem Hintergrund der Fallberichte über Leberschäden gilt diese Gruppe als besonders gefährdet.
Menschen unter bestimmter Dauermedikation. Gemeint sind vor allem die im vorigen Abschnitt genannten Gruppen.
Relativ, also im Einzelfall abzuwägen, ist die Lage bei Schilddrüsenerkrankungen, bei Diabetes und vor geplanten Operationen. Zur Schilddrüse gibt es eine eigene, ausführlichere Betrachtung unter Ashwagandha und Schilddrüse, weil dort Wirkung und Risiko besonders eng beieinander liegen.
Was beim Absetzen passiert
Eine körperliche Abhängigkeit von Ashwagandha ist nicht beschrieben. Ein plötzliches Absetzen gilt bei üblichen Mengen und kurzer Anwendungsdauer als unproblematisch, Entzugserscheinungen im medizinischen Sinn sind nicht dokumentiert.
Was Anwender dennoch schildern, lässt sich meist anders erklären. Wenn die beruhigende Komponente wegfällt, kehren die ursprünglichen Beschwerden zurück, sofern sich an den Lebensumständen nichts geändert hat. Berichtet werden vor allem ein zunächst schwierigeres Einschlafen, ein kurzzeitig höheres Stressempfinden und eine Rückkehr von Erschöpfung oder Nervosität. Das ist keine Entzugsreaktion, sondern der Wegfall eines dämpfenden Effekts.
Nach längerer Anwendung über Monate oder bei hoher Dosierung wird verbreitet empfohlen, die Menge über ein bis zwei Wochen schrittweise zu reduzieren statt abrupt zu stoppen. Eine Studiengrundlage für dieses Vorgehen gibt es nicht, es folgt der allgemeinen Logik im Umgang mit beruhigend wirkenden Substanzen.
Vor einer geplanten Operation raten Fachquellen dazu, pflanzliche Präparate mit sedierender Komponente rechtzeitig abzusetzen, weil sich Effekte mit der Narkose überlagern können. Wichtiger als der genaue Zeitpunkt ist, dass das behandelnde Team von der Einnahme weiß.
Zu hohe Dosis: was die Daten dazu sagen
Eine akut lebensgefährliche Vergiftung durch Ashwagandha ist nicht dokumentiert. Was bei einer Überdosierung berichtet wird, sind verstärkte Ausprägungen der bekannten Nebenwirkungen: ausgeprägte Magen-Darm-Beschwerden, starke Benommenheit, Schläfrigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Zusätzlich nennt das BfR eine mögliche Beeinflussung von Schilddrüsen- und Blutzuckerwerten.
Zur Einordnung der Mengenfrage hilft ein Blick in die Studien. Dort lagen die Tagesmengen überwiegend zwischen 240 und 600 Milligramm standardisiertem Wurzelextrakt. Chandrasekhar und Kollegen arbeiteten 2012 mit 600 Milligramm täglich über 60 Tage, Lopresti und Kollegen 2019 mit 240 Milligramm über acht Wochen. Angebote mit 1000 Milligramm und mehr liegen damit oberhalb des in Studien untersuchten Bereichs, ohne dass für diese Mengen zusätzliche Sicherheitsdaten vorlägen.
Ein weiterer Punkt erschwert jede Mengenangabe. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale von 2026 kam zu dem Ergebnis, dass Angaben zu Extrakt und Withanolidgehalt auf Produkten uneinheitlich und für Verbraucher schwer vergleichbar sind. Zwei Präparate mit identischer Milligramm-Angabe können deshalb unterschiedlich stark sein. Warum diese Deklarationsfrage der eigentliche Knackpunkt ist, steht in unserem Ashwagandha-Überblick.
Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Nach Nebenwirkungen bei Frauen und bei Männern wird getrennt gesucht, obwohl die berichteten Beschwerden weitgehend dieselben sind. Magen-Darm-Beschwerden, Müdigkeit und Kopfschmerzen treten geschlechtsunabhängig auf.
Bei Frauen betreffen die zusätzlichen Fragen meist den Hormonhaushalt: das Zusammenspiel mit der Pille, Veränderungen des Zyklus und die Anwendung in den Wechseljahren. Für diese Fragen entsteht eine eigene Seite, weil sie mehr Raum brauchen als einen Absatz.
Bei Männern steht meist die Frage nach dem Testosteronspiegel im Vordergrund. Untersuchungen von Wankhede und Kollegen 2015 sowie Lopresti und Kollegen 2019 fanden dazu Veränderungen, allerdings an kleinen Gruppen. Wie diese Befunde im Vergleich zu anderen Substanzen einzuordnen sind, zeigt der Studienvergleich aller 14 Substanzen.
Ein Punkt betrifft beide Gruppen gleichermaßen: Ashwagandha ist in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel eingestuft und damit in Deutschland legal erhältlich. Das unterscheidet die Substanz deutlich von Tongkat Ali, dessen Wurzelextrakt in der EU keine Zulassung als Lebensmittel besitzt. Rechtlich zulässig und in jeder Situation unbedenklich sind allerdings zwei verschiedene Aussagen.
Wie unterschiedlich das ausfallen kann, zeigt der Vergleich mit einer Pflanze, die in der EU sogar eine Arzneimittel-Monografie hat und trotzdem klare Warnhinweise trägt: Bockshornklee und seine dokumentierten Nebenwirkungen.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt hier: Auch bei anderen Pflanzen steckt das eigentliche Risiko oft nicht in der Substanz selbst, sondern in der Verarbeitung und in Kombipräparaten. Wie sich das bei Maca darstellt, steht bei den Risiken und Gegenanzeigen von Maca.
Belastet Ashwagandha die Leber?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2024 Fallberichte über Leberschäden nach der Einnahme ashwagandhahaltiger Präparate zusammengetragen. Es handelt sich um Einzelfälle, nicht um einen regelmäßigen Effekt. Wie häufig solche Reaktionen sind, lässt sich aus Fallberichten nicht ableiten. Das BfR rät Menschen mit Lebererkrankungen von der Einnahme ab.
Kann Ashwagandha den Blutdruck zu stark senken?
In Kombination mit blutdrucksenkenden Medikamenten gilt das als denkbares Risiko. Das BfR nennt Blutdruckmittel ausdrücklich als Wechselwirkungsbereich. Für gesunde Personen ohne solche Medikation liegen keine Berichte über kritische Blutdruckabfälle vor.
Kann Ashwagandha Herzrhythmusstörungen auslösen?
Ein direkter Zusammenhang ist nicht belegt. Herzklopfen und Unruhe werden in Erfahrungsberichten gelegentlich genannt, tauchen in den kontrollierten Studien aber nicht als eigene Zielgröße auf. Relevanter ist ein anderer Punkt: Ashwagandha kann die Messung des Herzmedikaments Digoxin im Labor verfälschen.
Bei welchen Medikamenten sollte man Ashwagandha meiden?
Das BfR nennt Antidiabetika, Blutdruckmittel und Immunsuppressiva. Hinzu kommen Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Schilddrüsenhormone wie L-Thyroxin. Bei jeder laufenden Medikation gehört die Frage in die Arztpraxis, nicht in ein Forum.
Muss man Ashwagandha vor einer Operation absetzen?
Für pflanzliche Präparate mit beruhigender Komponente wird vor geplanten Eingriffen üblicherweise zum Absetzen geraten, weil sich Effekte mit der Narkose überlagern können. Eine speziell für Ashwagandha erhobene Datengrundlage dazu gibt es nicht. Das behandelnde Ärzteteam sollte die Einnahme in jedem Fall kennen.
Was passiert bei einer zu hohen Ashwagandha-Dosis?
Berichtet werden vor allem verstärkte Magen-Darm-Beschwerden, ausgeprägte Müdigkeit und Benommenheit. Eine akut lebensgefährliche Vergiftung durch Ashwagandha ist nicht dokumentiert. In den kontrollierten Studien lagen die Tagesmengen überwiegend zwischen 240 und 600 Milligramm Extrakt.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2024). Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen gesundheitlichen Risiken. Mitteilung 39/2024 vom 10.09.2024. BfR-Mitteilung
- Philips, C. A. et al. (2023). Ashwagandha-induced liver injury: a case series from India and literature review. Hepatology Communications 7(10):e0270. Fallserie ansehen
- Chandrasekhar, K., Kapoor, J., Anishetty, S. (2012). A prospective, randomized double-blind, placebo-controlled study of safety and efficacy of a high-concentration full-spectrum extract of Ashwagandha root. Indian J Psychol Med 34(3):255–262. Studie ansehen
- Lopresti, A. L. et al. (2019). A randomized, double-blind, placebo-controlled, crossover study examining the hormonal and vitality effects of Ashwagandha in aging, overweight males. Am J Mens Health 13(2). Studie ansehen
- Wankhede, S. et al. (2015). Examining the effect of Withania somnifera supplementation on muscle strength and recovery. J Int Soc Sports Nutr 12:43. Studie ansehen
- Dasgupta, A., Johnson, M. J., Wahed, A. (2012). The new LOCI digoxin assay is virtually free from interferences of herbal supplements hawthorn and ashwagandha. J Clin Lab Anal 26(4):227–231. Untersuchung ansehen
- Verbraucherzentrale (2026). Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln. Marktcheck-Bericht, 20. April 2026. Bericht ansehen
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.