Hormone und Vorerkrankungen
Ashwagandha und Schilddrüse: was die Studienlage bei Unterfunktion, Hashimoto und L-Thyroxin sagt
Studien deuten darauf hin, dass Ashwagandha die Schilddrüsenwerte verschieben kann: In einer kontrollierten Untersuchung an Menschen mit leicht erhöhtem TSH sank dieser Wert, während T3 und T4 anstiegen. Genau deshalb wird die Substanz bei einer nicht autoimmunen Unterfunktion anders bewertet als bei Hashimoto, unter L-Thyroxin oder bei einer Überfunktion.
Diese Seite fasst zusammen, was Studien und Behörden zum Zusammenhang zwischen Ashwagandha und der Schilddrüse berichten. Sie ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Laborkontrolle. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat oder Schilddrüsenmedikamente einnimmt, sollte vor einer Einnahme ärztlichen Rat einholen.
Wie die Schilddrüse arbeitet und wo Ashwagandha ins Spiel kommt
Um die Diskussion zu verstehen, reicht ein einfaches Bild. Die Schilddrüse produziert zwei Hormone, die den Stoffwechsel steuern: Thyroxin, kurz T4, und Trijodthyronin, kurz T3. Gesteuert wird die Produktion von der Hirnanhangsdrüse über ein drittes Hormon namens TSH.
Wichtig ist die Richtung dieser Steuerung, weil sie beim Blick auf Laborwerte regelmäßig für Verwirrung sorgt. TSH ist kein Schilddrüsenhormon, sondern das Signal an die Schilddrüse, mehr zu produzieren. Arbeitet die Schilddrüse zu langsam, steigt TSH an, weil der Körper lauter ruft. Ein hoher TSH-Wert spricht damit für eine Unterfunktion, ein sehr niedriger für eine Überfunktion. Sinkt TSH unter einer Behandlung, ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass mehr Hormon im Kreislauf ist.
Ashwagandha wird in der ayurvedischen Tradition seit langem bei Erschöpfung eingesetzt, also bei Beschwerden, die auch bei einer Unterfunktion auftreten. Tierversuche an Mäusen zeigten bereits in den 1990er Jahren, dass ein Extrakt der Wurzel die Konzentration von Schilddrüsenhormonen im Blut erhöhen kann. Aus dieser Beobachtung ist die gesamte spätere Diskussion entstanden.
Der Mechanismus dahinter ist bis heute nicht geklärt. Diskutiert werden eine direkte Anregung der Hormonproduktion und ein indirekter Weg über die Stressachse, weil Cortisol und Schilddrüsenfunktion miteinander verknüpft sind. Beide Erklärungen sind plausibel, keine ist belegt. Diese Unsicherheit ist kein Nebendetail, sondern der Grund, warum sich die Wirkung im Einzelfall so schlecht vorhersagen lässt.
Was die Studien tatsächlich gezeigt haben
Die Datenlage am Menschen ist deutlich dünner, als es die Menge an Ratgeberartikeln vermuten lässt. Es existiert genau eine kontrollierte Studie, die die Schilddrüse als eigentliche Zielgröße untersucht hat.
Sharma und Kollegen veröffentlichten sie 2018. Untersucht wurden 50 Personen zwischen 18 und 50 Jahren mit einer subklinischen Unterfunktion, also einem erhöhten TSH-Wert zwischen 4,5 und 10 bei noch normalen Hormonwerten. Die Hälfte erhielt acht Wochen lang 600 Milligramm Wurzelextrakt täglich, die andere Hälfte ein Scheinpräparat. In der Ashwagandha-Gruppe sank der TSH-Wert, T3 und T4 stiegen an. Die Autoren bezeichnen ihre Arbeit selbst als Pilotstudie.
Drei Einschränkungen gehören zwingend dazu, und sie werden in den meisten deutschsprachigen Artikeln unterschlagen.
Erstens handelt es sich um eine einzelne Untersuchung an einem einzigen Krankenhaus in Varanasi mit einer kleinen Gruppe. Eine unabhängige Wiederholung an anderer Stelle fehlt bis heute.
Zweitens wurden Menschen mit einer offenen Unterfunktion und Menschen unter Schilddrüsenmedikation ausdrücklich ausgeschlossen. Über genau diese beiden Gruppen sagt die Studie also nichts aus, obwohl sie die Mehrheit der Suchenden ausmachen.
Drittens, und das ist der wichtigste Punkt: Teilnehmende mit Schilddrüsenantikörpern waren ebenfalls ausgeschlossen. Antikörper sind das Kennzeichen der Hashimoto-Thyreoiditis. Die einzige positive Studie zum Thema hat Hashimoto-Betroffene damit gezielt nicht eingeschlossen. Wer sie als Beleg für die Anwendung bei Hashimoto zitiert, zitiert sie falsch.
| Untersuchung | Teilnehmende | Dosis und Dauer | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Sharma 2018 | 50 Personen, subklinische Unterfunktion, ohne Antikörper | 600 mg täglich, 8 Wochen | TSH gesunken, T3 und T4 gestiegen |
| van der Hooft 2005 | 1 Frau, 32 Jahre, zuvor gesund | Kapselpräparat, Dosis erhöht | Überfunktion, nach Absetzen rückläufig |
| Kamal 2022 | 1 Frau, 73 Jahre, Selbstbehandlung | Wurzelextrakt über 2 Jahre | Überfunktion mit Herzrasen |
| Hayashi 2024 | 1 Mann, 47 Jahre, zuvor gesund | Extrakt über 2 Monate | Schilddrüsenentzündung, nach Absetzen rückläufig |
| Hashimoto-Betroffene | — | — | Keine kontrollierte Studie vorhanden |
Die Tabelle zeigt das eigentliche Problem auf einen Blick. Auf der einen Seite steht eine kleine positive Studie, auf der anderen Seite stehen Einzelfallberichte in die entgegengesetzte Richtung. Beides zusammen ergibt keine Empfehlung, sondern die Aufforderung, den Einzelfall anzusehen.
Warum Hashimoto anders bewertet wird als eine einfache Unterfunktion
Diese Unterscheidung ist der Kern des Themas und wird im Netz häufig übersprungen. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist eine Beschreibung des Zustands, keine Diagnose der Ursache. Hashimoto ist eine dieser Ursachen, und zwar in Deutschland die häufigste.
Der Unterschied liegt im Mechanismus. Bei einer nicht autoimmunen Unterfunktion arbeitet die Schilddrüse einfach zu langsam. Bei Hashimoto greift das eigene Immunsystem das Schilddrüsengewebe an und zerstört es über Jahre hinweg. Die Unterfunktion ist hier die Folge, nicht das Problem selbst.
Aus diesem Unterschied ergeben sich zwei Sorgen, die getrennt betrachtet gehören. Sie sind zugleich die Antwort auf die häufig gestellte Frage, warum kein Ashwagandha bei Hashimoto empfohlen wird.
Die Sorge um das Immunsystem. Ashwagandha gilt als immunmodulierend, also als Substanz, die Immunantworten beeinflussen kann. Bei einer Erkrankung, die auf einer fehlgeleiteten Immunantwort beruht, klingt das nach einem schlechten Gedanken. Ehrlich muss man dazu sagen: Für die Annahme, dass Ashwagandha den Autoimmunprozess bei Hashimoto verstärkt, gibt es keine Studie am Menschen. Die Warnung ist plausibel begründet, aber nicht belegt. Sie wird trotzdem breit ausgesprochen, weil das Gegenteil ebenso wenig gezeigt wurde und der mögliche Schaden nicht zurückzunehmen wäre. Das Bundesinstitut für Risikobewertung nennt Immunsuppressiva ausdrücklich als Wechselwirkungsbereich, was bei behandelten Autoimmunerkrankungen unmittelbar relevant ist.
Die Sorge um den Hormonspiegel. Diese ist besser begründet. Der Verlauf bei Hashimoto ist über die Jahre nicht gleichmäßig. Es gibt Phasen, in denen zerfallendes Gewebe gespeicherte Hormone freisetzt und die Werte kurzzeitig nach oben schießen. Kommt in einer solchen Phase eine Substanz dazu, die die Hormonproduktion zusätzlich anregen könnte, verstärken sich zwei Effekte in dieselbe Richtung. Genau diese Konstellation macht die Vorhersage im Einzelfall so schwierig.
Der ehrliche Stand ist damit: Es gibt keinen belastbaren Beleg, dass Ashwagandha bei Hashimoto schadet, und es gibt keinen einzigen Beleg, dass es nützt. Wer bei einer chronischen Autoimmunerkrankung mit einem ungeprüften Präparat experimentiert, entscheidet sich für ein Risiko ohne belegten Gegenwert. Diese Abwägung sollte bewusst und nicht nebenbei getroffen werden.
Warum manche Betroffene reagieren und andere nichts merken
Diese Frage taucht in Foren dauernd auf und wird kaum je beantwortet. Die eine Person mit Unterfunktion berichtet von einer Verbesserung, die nächste von Herzrasen, die dritte merkt überhaupt nichts. Alle drei sagen die Wahrheit. Fünf Faktoren erklären, warum.
Der Ausgangswert. Wer weit im Unterfunktionsbereich liegt, hat Spielraum nach oben. Wer bereits gut eingestellt am oberen Rand des Zielbereichs liegt, hat diesen Spielraum nicht. Dieselbe Verschiebung führt in einem Fall zu einer Normalisierung und im anderen über die Grenze hinaus.
Das verbliebene Schilddrüsengewebe. Eine Anregung der Hormonproduktion setzt voraus, dass es noch Gewebe gibt, das darauf reagieren kann. Bei fortgeschrittenem Hashimoto oder nach einer Schilddrüsenentfernung ist genau das nicht mehr gegeben. Wo nichts mehr angeregt werden kann, passiert an dieser Stelle auch nichts.
Die Dosis. Im Fallbericht von van der Hooft aus dem Jahr 2005 traten die Beschwerden nicht sofort auf. Die Patientin nahm die Kapseln zunächst gelegentlich ohne Probleme und entwickelte die Überfunktion erst nach einer Dosiserhöhung. Der zeitliche Zusammenhang mit der Menge ist in diesem Fall ungewöhnlich klar dokumentiert.
Das Präparat. Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale von 2026 kam zu dem Ergebnis, dass Angaben zu Extrakt und Withanolidgehalt auf Produkten uneinheitlich und für Verbraucher schwer vergleichbar sind. Zwei Kapseln mit identischer Milligramm-Zahl können deshalb unterschiedlich stark sein. Wer das Produkt wechselt, wechselt unter Umständen auch die wirksame Menge, ohne es zu merken.
Die Begleitmedikation. Wer L-Thyroxin nimmt, hat eine feste Hormonmenge von außen. Kommt eine mögliche Eigenproduktion hinzu, addiert sich das. Wer keine Medikation hat, ist auf die Regulation des eigenen Körpers angewiesen, die einen Teil der Verschiebung abfangen kann.
Wie schnell sich überhaupt etwas verändert und wie lange, steht auf unserer Seite zur Ashwagandha Wirkungsdauer. Die Schilddrüsenwerte in der Studie von Sharma wurden nach acht Wochen erhoben, nicht nach wenigen Tagen.
L-Thyroxin: warum die Kombination als kritisch gilt
Diese Wechselwirkung wird oft nur als Warnsatz genannt. Der Mechanismus dahinter ist einfach genug, um ihn zu verstehen, und wer ihn versteht, kann die eigene Situation besser einschätzen.
L-Thyroxin ist künstlich hergestelltes T4. Die Dosis wird über Laborkontrollen so eingestellt, dass die Gesamtmenge im Blut im Zielbereich liegt. Diese Einstellung geht davon aus, dass die Eigenleistung der Schilddrüse ungefähr gleich bleibt.
Genau diese Annahme wird durch eine Substanz gestört, die die Eigenproduktion anregen könnte. Die Tablettenmenge bleibt gleich, der körpereigene Anteil steigt, die Summe liegt über dem Ziel. Im Labor zeigt sich das als sinkender TSH-Wert, spürbar wird es als Herzrasen, Unruhe, Zittern oder Schlaflosigkeit. Das BfR führt Schilddrüsenhormone in seiner Mitteilung von 2024 ausdrücklich als Bereich möglicher Wechselwirkungen.
Der Fallbericht von Kamal und Kollegen aus dem Jahr 2022 zeigt, wie das aussehen kann. Beschrieben wird eine 73-jährige Frau, die Ashwagandha zwei Jahre lang zur Selbstbehandlung einer Unterfunktion eingenommen hatte und mit Herzrasen und deutlich erniedrigtem TSH in die Klinik kam. Ein Einzelfall belegt keinen Zusammenhang, illustriert aber die befürchtete Richtung.
Praktisch heißt das: Wer L-Thyroxin nimmt und Ashwagandha ausprobieren möchte, klärt das vorher in der behandelnden Praxis. Wird es begonnen, gehört eine Laborkontrolle nach einigen Wochen dazu, damit eine Verschiebung im Wert und nicht erst im Symptom auffällt. Ein zweiter Punkt betrifft den zeitlichen Abstand: L-Thyroxin wird nüchtern eingenommen, weil andere Substanzen die Aufnahme beeinträchtigen können. Ein Abstand zu jedem anderen Präparat ist deshalb ohnehin üblich.
Welche weiteren Medikamentengruppen kritisch sind, steht in unserer Übersicht zu den Ashwagandha Nebenwirkungen.
Schilddrüsenüberfunktion: die klarste Gegenanzeige
Bei allen anderen Konstellationen lässt sich diskutieren. Hier nicht. Eine bestehende Überfunktion ist der Zustand, bei dem sich die vermutete Wirkungsrichtung von Ashwagandha und das Krankheitsbild am deutlichsten in dieselbe, unerwünschte Richtung addieren.
Drei dokumentierte Fälle beschreiben eine Überfunktion, die bei zuvor gesunden Menschen im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme auftrat. Van der Hooft und Kollegen berichteten 2005 über eine 32-jährige Frau, die Kapseln gegen chronische Erschöpfung nahm und nach einer Dosiserhöhung Beschwerden entwickelte; nach dem Absetzen normalisierten sich Symptome und Laborwerte von selbst. Kamal und Kollegen beschrieben 2022 den bereits genannten Fall mit Herzrasen. Hayashi und Kollegen dokumentierten 2024 einen 47-jährigen Mann mit einer schmerzlosen Schilddrüsenentzündung, dessen Werte sich ebenfalls nach dem Absetzen zurückbildeten.
Diese Berichte sind in beide Richtungen einzuordnen. Es handelt sich um wenige Einzelfälle bei einer Substanz, die weltweit millionenfach eingenommen wird. Ein Fallbericht beweist keine Ursache und sagt nichts über die Häufigkeit. Auffällig ist allerdings das wiederkehrende Muster: Beschwerden während der Einnahme, Rückbildung nach dem Absetzen, dokumentiert unabhängig voneinander in drei Ländern. Genau dieses Muster nehmen Behörden ernst.
Für Menschen mit einer bekannten Überfunktion, mit Morbus Basedow oder mit einer heißen Schilddrüsenknotenbildung ist die Konsequenz eindeutig: keine Einnahme ohne ärztliche Zustimmung. Eine unklare Datenlage ist etwas anderes als eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.
| Ausgangslage | Was diskutiert wird | Datenlage | Übliche Einordnung |
|---|---|---|---|
| Leichte Unterfunktion ohne Antikörper | Werte könnten sich normalisieren | Eine kleine kontrollierte Studie | Im Einzelfall abzuwägen, mit Kontrolle |
| Behandelte Unterfunktion mit L-Thyroxin | Werte könnten über das Ziel steigen | Keine Studie, BfR nennt Wechselwirkung | Nur nach ärztlicher Rücksprache |
| Hashimoto-Thyreoiditis | Immunprozess und Hormonschübe | Keine Studie, gezielt ausgeschlossen | Zurückhaltung, mangels Daten |
| Überfunktion, Morbus Basedow | Effekte könnten sich addieren | Mehrere Fallberichte | Abgeraten |
| Schilddrüse entfernt oder bestrahlt | Kein Gewebe zum Anregen vorhanden | Keine Daten | Kein erwartbarer Nutzen, Medikation bleibt |
Dosierung, wenn die Schilddrüse im Spiel ist
Nach einer Dosierung speziell bei Hashimoto wird häufig gesucht. Die ehrliche Antwort lautet: Es gibt keine. Keine Studie hat eine Menge für diese Gruppe geprüft, deshalb kann auch niemand eine seriös nennen. Wer im Netz eine konkrete Hashimoto-Dosierung findet, liest eine Übertragung aus anderen Studien, nicht ein Ergebnis.
Warum sich die übliche Angabe von 600 Milligramm hier nicht einfach übernehmen lässt, hat einen sachlichen Grund. Diese Menge stammt aus Untersuchungen an gesunden oder gestressten Erwachsenen, bei denen Stress und Schlaf die Zielgrößen waren. Bei einer erkrankten Schilddrüse ist die Ausgangslage eine andere, und es geht nicht um einen Wohlfühleffekt, sondern um einen Laborwert, der in einem engen Bereich bleiben soll.
In der einzigen Schilddrüsenstudie von Sharma wurden 600 Milligramm täglich über acht Wochen eingesetzt, aufgeteilt auf zwei Gaben. Dieser Wert gilt für Menschen mit leicht erhöhtem TSH, ohne Antikörper und ohne Schilddrüsenmedikation. Für alle anderen Konstellationen ist er keine Vorlage.
Sinnvoller als jede Milligramm-Angabe ist bei einer Schilddrüsenerkrankung die Reihenfolge des Vorgehens: erst der aktuelle Laborwert, dann die ärztliche Rücksprache, dann eine Entscheidung, und wenn eingenommen wird, eine erneute Kontrolle nach einigen Wochen. Ohne Ausgangswert lässt sich später nicht beurteilen, ob eine Veränderung eingetreten ist oder ob der Wert schon immer so aussah. Die allgemeinen Mengenangaben aus den Studien stehen auf unserer Seite zur Wirkungsdauer und Dosierung.
Warnzeichen, bei denen die Einnahme endet
Die Beschwerden, auf die es hier ankommt, sind die einer Überfunktion. Sie entstehen, weil zu viel Schilddrüsenhormon den Stoffwechsel beschleunigt. Ausgerechnet dieses Bild wird leicht mit Stress verwechselt, also mit genau dem Zustand, gegen den Ashwagandha eingenommen wird.
Zu achten ist auf: anhaltend schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag, innere Unruhe und Nervosität, feines Zittern der Hände, ungewollten Gewichtsverlust bei unverändertem Essen, vermehrtes Schwitzen und ein neues Wärmeempfinden, Schlaflosigkeit trotz Müdigkeit sowie häufigen Stuhlgang oder Durchfall.
Treten mehrere dieser Zeichen zusammen auf, gehört das Präparat abgesetzt und die Schilddrüse überprüft. In allen drei genannten Fallberichten bildeten sich die Beschwerden nach dem Absetzen zurück, in einem Fall ohne weitere Behandlung. Das ist ein beruhigender Befund, ersetzt die Abklärung aber nicht, weil aus den Symptomen allein nicht hervorgeht, was die Ursache war.
Ein Sonderfall betrifft das Herz. Bei bestehender Schilddrüsenerkrankung und gleichzeitigen Herzbeschwerden gehören beide gemeinsam abgeklärt, nicht getrennt, weil eine Überfunktion selbst Rhythmusstörungen auslösen kann. Warum bei Herzmedikamenten zusätzlich ein Laborproblem hinzukommt, steht im Abschnitt zu Herz und Herzrhythmus.
Was bei Schilddrüsenthemen sonst diskutiert wird
Wer wegen der Schilddrüse hier gelandet ist, sucht meist nicht nach einer Substanz, sondern nach einer Lösung. Deshalb ein nüchterner Blick darauf, was in diesem Zusammenhang sonst untersucht wird. Vorweg: Keiner dieser Stoffe behandelt eine Schilddrüsenerkrankung, und keiner ersetzt eine verordnete Medikation.
Selen. Zu Selen bei Hashimoto gibt es die vergleichsweise umfangreichste Studienlage aller hier genannten Stoffe. Untersucht wurde vor allem, ob sich die Antikörperspiegel unter einer Gabe verändern. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, und ob sich daraus ein Vorteil für den Krankheitsverlauf ergibt, ist umstritten. Selen ist zudem ein Stoff, bei dem eine Überversorgung eigene Probleme macht, weshalb eine Einnahme ins Blaue nicht sinnvoll ist.
Vitamin D. Bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse werden häufig niedrige Vitamin-D-Spiegel beobachtet. Ob der niedrige Spiegel zur Erkrankung beiträgt oder umgekehrt eine Begleiterscheinung ist, lässt sich aus dieser Beobachtung nicht ableiten. Ein gemessener Mangel wird unabhängig davon behandelt.
Jod. Hier ist besondere Vorsicht angebracht, weil die verbreitete Annahme „Schilddrüse braucht Jod“ bei Hashimoto in die Irre führen kann. Hohe Jodmengen aus Präparaten werden in diesem Zusammenhang kritisch diskutiert. Das ist kein Detail für Selbstversuche.
Eisen und Zink. Beide sind an der Bildung und Verwertung von Schilddrüsenhormonen beteiligt. Bei nachgewiesenem Mangel wird dieser ausgeglichen, ohne Mangel gibt es keinen erwartbaren Nutzen.
Der gemeinsame Nenner ist unbequem, aber wichtig: Bei Schilddrüsenthemen geht es um gemessene Werte, nicht um Präparate auf Verdacht. Wie andere Substanzen im Studienvergleich abschneiden, zeigt unsere Seite zu Testosteron und Nahrungsergänzung, und der allgemeine Studienstand zu Ashwagandha steht im Ashwagandha-Überblick.
Ein rechtlicher Hinweis zum Schluss, weil er regelmäßig durcheinandergeht. Ashwagandha ist in der EU nicht als neuartiges Lebensmittel eingestuft und in Deutschland damit legal erhältlich. Als Arzneimittel ist die Wurzel in Europa allerdings nicht anerkannt: Der zuständige Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur kam 2013 zu dem Schluss, dass eine europäische Monographie nicht erstellt werden kann, unter anderem weil die Extraktbeschreibungen den pharmazeutischen Anforderungen nicht genügten. Das unterscheidet die Substanz von Tongkat Ali, dessen Wurzelextrakt in der EU gar keine Zulassung als Lebensmittel besitzt. Legal erhältlich und in jeder Situation unbedenklich sind zwei verschiedene Aussagen.
Verändert Ashwagandha die Schilddrüsenwerte?
In der bislang einzigen kontrollierten Studie an Menschen mit erhöhtem TSH sank der TSH-Wert und die Hormone T3 und T4 stiegen an. Es handelte sich um eine Pilotstudie mit 50 Teilnehmenden an einem einzigen indischen Krankenhaus. Für gesunde Schilddrüsen liegen keine vergleichbaren Daten vor.
Darf man Ashwagandha bei einer Schilddrüsenunterfunktion einnehmen?
Das lässt sich pauschal nicht beantworten, weil die Unterfunktion mehrere Ursachen hat. Bei einer nicht autoimmunen, leichten Unterfunktion ohne Medikation gibt es eine kleine positive Studie. Bei behandelter Unterfunktion und bei Hashimoto ist die Lage eine andere. Die Entscheidung gehört in die Hausarzt- oder Endokrinologiepraxis, wo die Laborwerte vorliegen.
Was passiert bei gleichzeitiger Einnahme von L-Thyroxin?
L-Thyroxin wird auf einen festen Bedarf eingestellt. Regt Ashwagandha die körpereigene Hormonproduktion zusätzlich an, kann die Gesamtmenge im Blut über den Zielbereich steigen. Das BfR führt Schilddrüsenhormone als Bereich möglicher Wechselwirkungen. Wer L-Thyroxin einnimmt, sollte Ashwagandha nicht ohne ärztliche Rücksprache dazunehmen.
Warum reagieren manche Menschen mit Schilddrüsenproblemen und andere nicht?
Dafür kommen mehrere Gründe zusammen: der Ausgangswert der Schilddrüse, wie viel eigenes Gewebe noch arbeitet, die Dosis, der verwendete Extrakt und eine laufende Medikation. Wer bereits nahe an der oberen Grenze des Zielbereichs liegt, hat weniger Spielraum als jemand mit deutlicher Unterfunktion.
Welche Warnzeichen sprechen für eine zu starke Schilddrüsenwirkung?
Berichtet werden in den Fallberichten Herzrasen, innere Unruhe, Zittern, ungewollter Gewichtsverlust, Wärmeempfindlichkeit, Schwitzen und Schlaflosigkeit. In den dokumentierten Fällen bildeten sich die Beschwerden nach dem Absetzen zurück. Bei solchen Anzeichen gehört das Präparat abgesetzt und die Schilddrüse überprüft.
Sollte man die Schilddrüsenwerte vor der Einnahme kennen?
Bei bekannter Schilddrüsenerkrankung ist ein aktueller Ausgangswert sinnvoll, weil sich sonst später nicht beurteilen lässt, ob sich etwas verändert hat. Ohne bekannte Erkrankung ist ein Routinelabor allein wegen Ashwagandha nicht üblich. Wer Beschwerden bemerkt, hat mit einem Vorwert die deutlich bessere Grundlage.
- Sharma, A. K., Basu, I., Singh, S. (2018). Efficacy and Safety of Ashwagandha Root Extract in Subclinical Hypothyroid Patients: A Double-Blind, Randomized Placebo-Controlled Trial. J Altern Complement Med 24(3):243–248. Studie ansehen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2024). Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen gesundheitlichen Risiken. Mitteilung 39/2024 vom 10.09.2024. BfR-Mitteilung
- van der Hooft, C. S. et al. (2005). Thyrotoxicosis following the use of ashwagandha. Ned Tijdschr Geneeskd 149(47):2637–2638. Fallbericht ansehen
- Kamal, H. et al. (2022). Ashwagandha as a Unique Cause of Thyrotoxicosis Presenting with Supraventricular Tachycardia. Cureus 14(3):e23494. Fallbericht ansehen
- Hayashi, Y. et al. (2024). Painless Thyroiditis by Withania somnifera (Ashwagandha). Cureus 16(3):e55352. Fallbericht ansehen
- Committee on Herbal Medicinal Products, European Medicines Agency (2013). Public statement on Withania somnifera (L.) Dunal, radix. EMA/HMPC/681519/2012. Stellungnahme ansehen
- Verbraucherzentrale (2026). Ashwagandha in Nahrungsergänzungsmitteln. Marktcheck-Bericht, 20. April 2026. Bericht ansehen
- Panda, S., Kar, A. (1999). Withania somnifera and Bauhinia purpurea in the regulation of circulating thyroid hormone concentrations in female mice. J Ethnopharmacol 67(2):233–239. Tierstudie ansehen
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.