Tongkat Ali und die legalen Alternativen im Studien-Check

Wirkung und Studienlage

Ashwagandha und Testosteron

Studien deuten darauf hin, dass Ashwagandha den Testosteronwert um etwa zehn bis zwanzig Prozent gegenüber Placebo anheben kann, allerdings fast ausschließlich bei Männern unter Belastung: übergewichtig, im Training oder mit eingeschränkter Fruchtbarkeit. Der Weg dorthin ist indirekt und führt über die Senkung des Stresshormons Cortisol, nicht über eine hormonelle Wirkung der Pflanze selbst.

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Diese Seite beschreibt, was zu Ashwagandha und Testosteron untersucht wurde. Sie ist keine Einnahmeempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ein Verdacht auf Testosteronmangel gehört ärztlich abgeklärt und über eine Blutuntersuchung geprüft, nicht über ein Nahrungsergänzungsmittel.

Der Wirkweg: warum der Effekt indirekt ist

Der Punkt, an dem die meisten Produkttexte ungenau werden, kommt gleich am Anfang. Ashwagandha ist nach den vorliegenden Untersuchungen kein Stoff, der dem Körper Testosteron zuführt oder die Produktion direkt anschaltet.

Der beschriebene Weg führt über den Stoffwechsel des Stresshormons Cortisol. Cortisol und Testosteron stehen in einem gegenläufigen Verhältnis: Ist der Cortisolspiegel dauerhaft erhöht, wird die Testosteronproduktion gebremst. Wenn eine Substanz Cortisol senkt, kann sich der Testosteronwert deshalb rechnerisch nach oben bewegen, ohne dass die Substanz selbst hormonell wirkt.

Dass Ashwagandha Cortisol senken kann, ist der am besten untersuchte Teil der ganzen Sache. In der Arbeit von Chandrasekhar und Kollegen aus dem Jahr 2012 fiel der Wert bei 64 gestressten Erwachsenen unter 600 Milligramm täglich über 60 Tage um rund 28 Prozent, gegenüber knapp 8 Prozent unter Placebo.

Daraus folgt eine Konsequenz, die für die ganze Seite gilt: Wo kein erhöhtes Cortisol vorliegt, fehlt dem beschriebenen Wirkweg der Ansatzpunkt. Das ist keine Spitzfindigkeit, sondern erklärt, warum die Studienergebnisse so unterschiedlich ausfallen.

Es lohnt sich, das gegenläufige Verhältnis der beiden Hormone nicht als Schalter zu verstehen. Cortisol ist kein Feind des Körpers, sondern ein notwendiges Hormon, das den Tagesrhythmus steuert, den Blutzucker reguliert und Entzündungen dämpft. Problematisch ist nicht sein Vorhandensein, sondern eine dauerhafte Erhöhung über Wochen und Monate, wie sie unter anhaltender Belastung auftritt. Genau dieser Zustand ist es, auf den sich die Untersuchungen beziehen.

Wer also wissen will, ob der beschriebene Weg im eigenen Fall überhaupt greifen könnte, stellt sich sinnvollerweise nicht die Frage nach dem Testosteron, sondern die Frage nach der Belastung. Ein Mann, der ausreichend schläft, moderat trainiert und keine dauerhafte Anspannung erlebt, hat in diesem Modell wenig Spielraum nach oben. Ein Mann in einer über Monate zehrenden Lebensphase hat mehr. Das ist eine unbequeme Antwort, weil sie sich nicht mit einer Packung lösen lässt.

Withanolide: was sie sind und was sie nicht sind

Auf Packungen und in Produkttexten steht regelmäßig, Withanolide hätten eine dem Testosteron ähnliche Struktur und wirkten deshalb ähnlich. Diese Formulierung ist chemisch irreführend und verdient eine Richtigstellung.

Withanolide sind die Hauptinhaltsstoffe der Ashwagandha-Wurzel und gehören zur Gruppe der Steroidlaktone. Steroid heißt hier nur, dass ein bestimmtes Grundgerüst aus vier verbundenen Kohlenstoffringen vorliegt. Dasselbe Grundgerüst tragen auch Cholesterin, Vitamin D und Gallensäuren. Aus dieser Verwandtschaft folgt keine hormonelle Wirkung, so wenig wie aus einem gemeinsamen Buchstaben eine gemeinsame Bedeutung folgt.

Withanolide sind keine anabolen Steroide, sie sind kein Testosteron und sie wirken nach den vorliegenden Daten nicht als Ersatz dafür. Was sie tun, wird über den bereits beschriebenen Weg der Stressachse erklärt sowie über eine mögliche Anregung des luteinisierenden Hormons, das die körpereigene Testosteronbildung ansteuert. Beide Erklärungen sind indirekt.

Ein Nebeneffekt dieser Verwechslung ist ein rechtlicher: Ein Präparat, das als Testosteronersatz beworben wird, wäre in der EU kein Lebensmittel mehr. Wer solche Formulierungen auf einer Packung liest, sieht in der Regel Marketing, das die eigene rechtliche Grenze streift. Was Withanolide sonst noch bedeuten und wie die Prozentangaben zu lesen sind, steht unter Schlafbeere kaufen.

Wie groß der Effekt in Studien ausfiel

Hier lohnt es sich, konkret zu werden, weil die Zahlen selbst die nüchternste Antwort auf die Ausgangsfrage geben.

UntersuchungWer teilnahmWas eingesetzt wurdeErgebnis beim Testosteron
Lopresti 201957 übergewichtige Männer, 40 bis 70 Jahre600 mg täglich, 8 Wochenrund 15 Prozent höher als unter Placebo
Wankhede 201557 junge Männer mit Krafttraining600 mg täglich, 8 Wochendeutlicher Anstieg gegenüber Placebo
Ambiye 201346 Männer mit eingeschränkter Spermienzahl675 mg täglich, 90 TageAnstieg, zusätzlich Spermienparameter
Männer mit Normalwertenkaum bis kein Unterschied beschrieben
Langzeitdaten über 90 Tagenicht vorhanden

Die Größenordnung, die sich aus diesen Arbeiten ergibt, liegt bei etwa zehn bis zwanzig Prozent gegenüber Placebo. Das ist messbar und es ist mehr als nichts. Es ist aber weit entfernt von dem, was der Begriff Testosteron-Booster nahelegt, und es liegt in einer Größenordnung, die sich beim einzelnen Mann im Alltag nicht zwangsläufig bemerkbar macht.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind die Teilnehmerzahlen klein, meist unter 60 Personen. Zweitens wurden mehrere dieser Arbeiten mit Extrakten durchgeführt, deren Hersteller an der Untersuchung beteiligt war. Das macht die Ergebnisse nicht wertlos, aber es ist ein Grund, sie vorsichtiger zu lesen als unabhängige Studien.

Der zweite Punkt verdient eine Erläuterung, weil er in diesem Feld die Regel und nicht die Ausnahme ist. Ein erheblicher Teil der Ashwagandha-Forschung wurde mit einem bestimmten Markenextrakt durchgeführt, dessen Hersteller die Untersuchungen ganz oder teilweise finanziert hat. Solche Studien sind nicht automatisch falsch, und viele sind methodisch ordentlich gemacht. Bekannt ist aber aus vielen Forschungsbereichen, dass herstellerfinanzierte Arbeiten im Durchschnitt häufiger zu positiven Ergebnissen kommen als unabhängige. Wer eine Zahl liest, sollte deshalb wissen, wer die Untersuchung bezahlt hat.

Ein dritter Punkt betrifft die Vergleichbarkeit. Die genannten Arbeiten haben unterschiedliche Gruppen untersucht, unterschiedliche Mengen eingesetzt und unterschiedlich lange gemessen. Eine saubere Gesamtzahl lässt sich daraus nicht bilden. Die Spanne von zehn bis zwanzig Prozent ist eine Annäherung, keine feststehende Größe, und sie beschreibt einen Durchschnitt über Gruppen hinweg, nicht das, was bei einer einzelnen Person passiert.

Bei wem sich etwas zeigte und bei wem nicht

Wer die Tabelle im vorigen Abschnitt genau liest, sieht das eigentliche Muster: Der Effekt hängt weniger vom Präparat ab als von der Ausgangslage der untersuchten Person.

Auffällig ist, dass alle Gruppen mit deutlichem Ergebnis eine Gemeinsamkeit hatten. Übergewichtige Männer im mittleren Alter, Männer unter Trainingsbelastung, Männer mit eingeschränkter Fruchtbarkeit: In allen drei Fällen bestand eine Belastung des Systems. Bei Männern mit unauffälligen Werten und ohne besondere Stressbelastung ist ein vergleichbarer Anstieg in den vorliegenden Arbeiten nicht beschrieben.

Das passt zum Wirkweg. Wenn der Effekt über die Absenkung erhöhten Cortisols läuft, kann er dort am größten sein, wo Cortisol tatsächlich erhöht war, und dort am kleinsten, wo es das nie war. Ein junger, ausgeruhter Mann mit normalen Werten gehört nach dieser Logik zur Gruppe mit dem geringsten zu erwartenden Effekt, obwohl genau diese Gruppe die Produkte am häufigsten kauft.

Es gibt einen zweiten Grund, warum die Erfahrungsberichte auseinandergehen: Ohne Blutwert vorher und nachher lässt sich der Effekt gar nicht beurteilen. Testosteron schwankt im Tagesverlauf erheblich, mit dem höchsten Wert am Morgen. Wer sich schlicht besser fühlt, kann das nicht auf einen Hormonwert zurückführen, und wer sich nichts anmerkt, kann trotzdem eine Veränderung im Blut haben.

Wer den eigenen Wert tatsächlich kennen will, kommt an einer ärztlichen Blutuntersuchung nicht vorbei, und zwar am Vormittag, weil der Wert später am Tag deutlich niedriger liegt. Aussagekräftig wird eine solche Messung erst, wenn sie zweimal an unterschiedlichen Tagen erfolgt, weil ein einzelner Wert stark schwanken kann. Wird dabei ein Mangel festgestellt, ist das ein medizinischer Befund mit möglichen Ursachen, die abgeklärt gehören, und kein Anwendungsfall für ein Nahrungsergänzungsmittel.

Der Vollständigkeit halber: Ein niedriger Testosteronwert kann viele Gründe haben, darunter Übergewicht, chronischer Schlafmangel, bestimmte Medikamente, Erkrankungen der Hirnanhangdrüse oder der Hoden. Mehrere dieser Ursachen sind behandelbar, und keine davon wird durch ein Präparat gelöst. Wer die Ursache überspringt und direkt zur Packung greift, behandelt bestenfalls ein Symptom.

Kein Muskelaufbaumittel

Die Verbindung von Ashwagandha und Muskelaufbau ist im Fitnessbereich fest etabliert. Sie beruht auf einer Verkürzung, die sich lohnt aufzudröseln.

In der Arbeit von Wankhede und Kollegen aus dem Jahr 2015 trainierten 57 junge Männer acht Wochen lang mit Gewichten. Die Ashwagandha-Gruppe zeigte am Ende bessere Werte bei Kraft und Muskelmasse als die Placebogruppe. Dieses Ergebnis existiert und wird hier nicht kleingeredet.

Entscheidend ist, wie es zustande kam. Beide Gruppen trainierten. Der Unterschied entstand nicht dadurch, dass eine Substanz Muskeln aufgebaut hätte, sondern nach der Deutung der Autoren über bessere Regeneration und geringere Trainingsbelastung. Ashwagandha wirkt in diesem Bild nicht als Baustoff, sondern als etwas, das dem Training erlaubt, besser zu wirken. Ohne Training gibt es nichts, worauf dieser Effekt aufsetzen könnte.

Die häufig zitierte Rechnung von rund acht Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht stammt aus Ratgebertexten, nicht aus den Studienprotokollen. Die untersuchten Mengen waren feste Tagesmengen, unabhängig vom Körpergewicht. Welche Mengen insgesamt untersucht wurden und wo die diskutierten Obergrenzen liegen, steht unter Wirkungsdauer und Dosierung.

Für die Einordnung im Trainingsalltag hilft ein Größenvergleich. Kreatin gehört zu den am besten untersuchten Substanzen im Sport überhaupt, mit Hunderten von Studien und einer klaren Wirkung auf Kraft und Muskelmasse. Ashwagandha steht in dieser Hinsicht am Anfang, mit wenigen kleinen Arbeiten und einem indirekten Erklärungsmodell. Wer die beiden im Regal nebeneinander sieht, sieht zwei sehr unterschiedlich gut belegte Dinge zum ähnlichen Preis.

Zur Ehrlichkeit gehört auch der umgekehrte Punkt. Regeneration ist im Training keine Nebensache, sondern die Bedingung dafür, dass Belastung überhaupt in Anpassung übergeht. Eine Substanz, die in diesem Bereich etwas bewirkt, wäre nicht wertlos, nur weil sie keine Muskeln aufbaut. Das Problem liegt nicht im untersuchten Effekt, sondern in der Etikettierung, die daraus ein Aufbaumittel macht.

Kein Potenzmittel: was bei Erektionsproblemen gilt

Dieser Abschnitt ist der wichtigste auf der Seite, weil hier die Verwechslung die größten Folgen hat.

Eine Wirkung von Ashwagandha gegen Erektionsstörungen im medizinischen Sinn ist nicht belegt. Erektionsstörungen haben in der Mehrzahl der Fälle eine körperliche Ursache, häufig eine Durchblutungsstörung, und sie gelten als früher Hinweis auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dafür gibt es verschreibungspflichtige Medikamente mit belegter Wirkung, und dafür gibt es einen ärztlichen Abklärungsbedarf.

Wer bei einer solchen Beschwerde monatelang ein Nahrungsergänzungsmittel probiert, verliert vor allem Zeit. Das ist der Punkt, an dem die Verwechslung von einem Marketingärgernis zu einem echten Risiko wird.

Untersucht wurde etwas anderes, und das lässt sich sauber beschreiben: sexuelles Verlangen und Zufriedenheit als selbst eingeschätzte Größen, in Studien, die überwiegend über den Stressabbau argumentieren. Nachlassendes Verlangen unter Dauerbelastung ist ein anderer Sachverhalt als eine Erektionsstörung, auch wenn beide im Marketing gern zusammengeworfen werden. Ein Vergleich mit Tongkat Ali liegt hier nahe, aber dort kommt die rechtliche Lage in der EU erschwerend hinzu.

Die Unterscheidung ist auch deshalb wichtig, weil die beiden Beschwerden unterschiedliche Wege der Abklärung nach sich ziehen. Nachlassendes Verlangen über längere Zeit kann mit Schlafmangel, Medikamenten, Depression oder Beziehungssituationen zusammenhängen und ist selten allein hormonell erklärbar. Eine Erektionsstörung dagegen ist ein körperliches Zeichen, das der Arzt gemeinsam mit Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten betrachtet, weil sie diesen Erkrankungen häufig um Jahre vorausgeht. Wer sie ignoriert, verpasst unter Umständen eine frühe Warnung.

Zu einem eigenen Kapitel gehört, dass diese Grenze im Verkauf systematisch verwischt wird. Begriffe wie Manneskraft, Vitalität oder Performance sind bewusst so gewählt, dass sie an eine medizinische Wirkung erinnern, ohne eine zu behaupten. Das ist rechtlich kalkuliert, weil eine ausdrückliche Aussage zur Behandlung von Erektionsstörungen aus einem Nahrungsergänzungsmittel ein zulassungspflichtiges Arzneimittel machen würde. Wer die Anspielung erkennt, liest solche Packungen anders.

Was rund um Testosteron sonst belegt ist

Um die Einordnung fair zu halten, gehört auch das Gegenteil dazu: Es gibt Bereiche, in denen die Datenlage besser aussieht als beim Testosteron selbst.

Am solidesten ist der Befund zum Cortisol. Eine Zusammenfassung mehrerer Untersuchungen von Albalawi und Kollegen aus dem Jahr 2025 bestätigte einen messbaren Rückgang des Cortisolwerts, fand allerdings keinen deutlichen Unterschied im subjektiv empfundenen Stress. Ein besserer Laborwert und ein besseres Gefühl sind zwei verschiedene Ergebnisse, und dieser Unterschied zieht sich durch das ganze Thema.

Bei den Spermienparametern liegen ebenfalls Daten vor, unter anderem aus der Arbeit von Ambiye und Kollegen an Männern mit eingeschränkter Spermienzahl. Auch hier gilt die Einschränkung kleiner Teilnehmerzahlen.

Was dagegen fehlt, ist bemerkenswert: Es gibt keine Untersuchung, die über 90 Tage hinausreicht, keine Untersuchung an Männern mit ärztlich festgestelltem Testosteronmangel, und keine Daten dazu, ob sich ein Anstieg der Blutwerte in irgendeinem Alltagsnutzen niederschlägt.

Diese letzte Lücke ist die interessanteste. Ein Hormonwert ist eine Zahl, kein Befinden. Ob ein Anstieg um fünfzehn Prozent dazu führt, dass jemand sich wacher fühlt, mehr Antrieb hat oder besser trainiert, ist in den vorliegenden Arbeiten nicht sauber geprüft worden. Einzelne Studien haben Fragebögen zu Vitalität und Müdigkeit mit erhoben, aber diese Ergebnisse fielen weniger eindeutig aus als die Laborwerte.

Auf der Sicherheitsseite gibt es ebenfalls Punkte, die zu einer ehrlichen Bilanz gehören. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2024 auf Berichte über Leberschäden hingewiesen und rät bestimmten Gruppen ausdrücklich ab, darunter Schwangeren, Stillenden, Kindern und Menschen mit Lebererkrankungen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur kam bereits 2013 zu dem Schluss, dass sich für die Wurzel keine europäische Monographie erstellen lässt, weil die Datenlage dafür nicht ausreicht. Beides gehört neben die Studienergebnisse gestellt, nicht dahinter.

Ashwagandha neben den anderen Kandidaten

Wer nach Testosteron sucht, stößt selten nur auf eine Substanz. Deshalb eine nüchterne Gegenüberstellung dessen, was jeweils untersucht ist und wie die rechtliche Lage aussieht. Keine dieser Substanzen behandelt einen Testosteronmangel.

SubstanzUntersuchte RichtungDatenlage zum TestosteronRechtliche Lage in der EU
Ashwagandhaindirekt über Cortisolmehrere kleine Studien, 10 bis 20 Prozentlegal als Lebensmittel, keine zugelassene Gesundheitsaussage
Tongkat Alidirekt diskutiertStudien vorhanden, vor allem bei niedrigem Ausgangswertnicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel, Verkauf unzulässig
ZinkBaustein der Hormonbildungrelevant bei Mangel, nicht darüber hinauszugelassene Aussage zum normalen Testosteronspiegel im Blut
Vitamin DZusammenhang beobachtetuneinheitlich, am ehesten bei Mangelzugelassene Aussagen, aber nicht zum Testosteron
Tribulus terrestrisklassisch beworbenin kontrollierten Studien überwiegend ohne Effektlegal, Werbeversprechen ohne Beleg

Die Zeile zu Zink verdient eine eigene Bemerkung, weil sie den einzigen Fall in der Tabelle beschreibt, in dem eine Aussage zum Testosteron in der EU überhaupt zugelassen ist. Diese Zulassung bedeutet nicht, dass Zink den Wert steigert, sondern dass es zur Aufrechterhaltung eines normalen Werts beiträgt. Der Unterschied ist rechtlich wie sachlich erheblich.

Der vollständige Überblick über alle Substanzen, die in diesem Feld beworben werden, steht im Evidenzcheck der Testosteron-Booster. Was bei Frauen gilt, wo Testosteron ebenfalls eine Rolle spielt, steht unter Ashwagandha für Frauen. Warum die Testsieger-Listen, die bei der Produktsuche zuerst erscheinen, wenig wert sind, steht unter Ashwagandha Testsieger und was dahintersteckt. Der allgemeine Studienstand zu Ashwagandha steht im Ashwagandha-Überblick, die Frage nach Verträglichkeit und Gegenanzeigen unter Nebenwirkungen, und was speziell bei Schilddrüsenproblemen gilt unter Ashwagandha und Schilddrüse.

Wer die Studienlage einer zweiten Pflanze mit demselben Versprechen daneben legen will, findet sie unter Steigert Bockshornklee den Testosteronspiegel?. Das Muster dort ist ein anderes: mehr herstellerfinanzierte Studien, kleinere Effekte, eine deutlich schwächere Gesamtbewertung.

Ein lehrreicher Gegenfall ist Maca: Dort wurden Libido-Werte höher gemessen, während Testosteron und Estradiol unverändert blieben. Warum das Marketing daraus trotzdem einen Booster macht, steht bei Maca als Lehrbuchfall des Endpunkt-Tauschs.

Sind Withanolide dem Testosteron chemisch ähnlich?

Sie teilen ein Grundgerüst, das viele Stoffe teilen, darunter auch Cholesterin und Vitamin D. Daraus folgt keine hormonelle Wirkung. Withanolide sind keine anabolen Steroide und kein Testosteronersatz. Die Formulierung von der ähnlichen Struktur stammt aus Produkttexten, nicht aus der Chemie.

Wie stark war der Anstieg in den Studien?

Die vorliegenden Arbeiten beschreiben eine Größenordnung von etwa zehn bis zwanzig Prozent gegenüber Placebo. Das ist messbar, aber deutlich weniger, als der Begriff Testosteron-Booster nahelegt. Die Teilnehmerzahlen lagen meist unter 60 Personen.

Bei wem zeigte sich der größte Anstieg?

In allen Gruppen mit deutlichem Ergebnis lag eine Belastung vor: Übergewicht im mittleren Alter, Krafttraining oder eingeschränkte Fruchtbarkeit. Bei Männern mit unauffälligen Werten und ohne besondere Stressbelastung ist ein vergleichbarer Anstieg nicht beschrieben.

Baut Ashwagandha direkt Muskeln auf?

Nein. In der Trainingsstudie von 2015 trainierten beide Gruppen, und der Unterschied wurde über bessere Regeneration erklärt, nicht über einen Aufbaueffekt der Substanz selbst. Ohne Training fehlt dem beschriebenen Effekt die Grundlage.

Hilft Ashwagandha bei Erektionsstörungen?

Dafür gibt es keinen Beleg. Erektionsstörungen haben meist eine körperliche Ursache, häufig die Durchblutung, und gelten als früher Hinweis auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie gehören ärztlich abgeklärt. Untersucht wurde etwas anderes, nämlich sexuelles Verlangen unter Stressbelastung.

Gibt es Langzeitdaten zu Testosteron und Ashwagandha?

Nein. Die längsten vorliegenden Untersuchungen liefen 90 Tage. Was bei einer Einnahme über Monate oder Jahre mit den Hormonwerten geschieht, ist nicht untersucht. Ebenso fehlen Daten an Männern mit ärztlich festgestelltem Testosteronmangel.

  1. Lopresti, A.L., Drummond, P.D., Smith, S.J. (2019). A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study Examining the Hormonal and Vitality Effects of Ashwagandha (Withania somnifera) in Aging, Overweight Males. Am J Mens Health 13(2). Studie ansehen
  2. Wankhede, S. et al. (2015). Examining the effect of Withania somnifera supplementation on muscle strength and recovery: a randomized controlled trial. J Int Soc Sports Nutr 12:43. Studie ansehen
  3. Ambiye, V.R. et al. (2013). Clinical Evaluation of the Spermatogenic Activity of the Root Extract of Ashwagandha in Oligospermic Males. Evid Based Complement Alternat Med 2013:571420. Studie ansehen
  4. Chandrasekhar, K., Kapoor, J., Anishetty, S. (2012). A Prospective, Randomized Double-Blind, Placebo-Controlled Study of Safety and Efficacy of a High-Concentration Full-Spectrum Extract of Ashwagandha Root in Reducing Stress and Anxiety in Adults. Indian J Psychol Med 34(3):255–262. Studie ansehen
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (2024). Ashwagandha: Schlafbeeren-Präparate mit möglichen gesundheitlichen Risiken. Mitteilung 39/2024 vom 10.09.2024. BfR-Mitteilung
  6. Committee on Herbal Medicinal Products, European Medicines Agency (2013). Public statement on Withania somnifera (L.) Dunal, radix. EMA/HMPC/681519/2012. Stellungnahme ansehen

Über den Autor

Rainer Lang

Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration

Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.

Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.

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