Tongkat Ali und die legalen Alternativen im Studien-Check

Studien-Check

Steigert Bockshornklee den Testosteronspiegel?

Die bislang gründlichste Auswertung, erschienen am 19. August 2026, fand über sechs Studien mit 385 Männern einen kleinen Effekt auf das Gesamttestosteron und keinen belastbaren Effekt auf das freie Testosteron. Die Verlässlichkeit der Daten stuften die Autoren als sehr niedrig ein. Ihr eigenes Fazit: Für die Werbeversprechen reicht das nicht.

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Was die neueste Auswertung ergeben hat

Am 19. August 2026 erschien die bislang gründlichste Zusammenfassung zu dieser Frage: eine systematische Übersicht mit Metaanalyse über 13 randomisierte, placebokontrollierte Studien an erwachsenen Männern. Acht davon lieferten Hormondaten, sechs gingen in die Auswertung zum Gesamttestosteron ein, fünf in die zum freien Testosteron.

Das Ergebnis in zwei Sätzen. Beim Gesamttestosteron fand sich ein kleiner Effekt zugunsten von Bockshornklee, der gerade eben die statistische Schwelle riss (standardisierte Mittelwertdifferenz 0,25; Vertrauensbereich 0,02 bis 0,48). Beim freien Testosteron, also dem Anteil, der biologisch überhaupt wirksam ist, lag der gepoolte Wert praktisch bei null und der Vertrauensbereich reichte weit in beide Richtungen (0,08; von minus 0,48 bis plus 0,63).

Entscheidend ist, wie die Autoren diese Zahlen selbst einordnen. Nach dem GRADE-System, dem Standardverfahren zur Bewertung von Evidenzqualität, stuften sie beide Endpunkte auf die unterste Stufe: sehr niedrige Verlässlichkeit. Ihr Schlusssatz ist deutlicher, als es Studien üblicherweise sind: Die vorliegende Evidenz stütze keine klinischen oder kommerziellen Testosteron-Versprechen.

Die Studien im Einzelnen

Hinter dem gepoolten Wert stehen wenige, kleine Untersuchungen. Die folgende Tabelle zeigt die Studien, die zur Hormonauswertung beigetragen haben, mit Teilnehmerzahl, Dosis, Dauer und Geldgeber.

StudieTeilnehmer und DosisErgebnis / Finanzierung
Wilborn 201030 Krafttrainierende, 500 mg, 8 WochenGesamt- und bioverfügbares T. besser als Placebo; Indus Biotech
Poole 201049 Krafttrainierende, 500 mg, 8 WochenNur freies T. gemessen, kein Gesamtwert; Indus Biotech
Wankhede 201660 Männer, 600 mg, 8 WochenAnstieg berichtet, Pilotstudie; Indus Biotech
Rao 2016 (Testofen)120 Männer 43–70, 600 mg, 12 WochenSymptomscore und T. verbessert; Gencor Pacific
Guo 2018 (Furosap)40 Sportler, 500 mg, 12 WochenAnstieg berichtet; herstellerfinanziert
Rao 2020 (Calisthenics)138 Trainierende, 600 mg, 8 WochenAls einzige Studie mit hohem Verzerrungsrisiko bewertet; Gencor
Rao 2020 (Prostata)100 Männer mit BPH, 600 mg, 12 WochenKeine Verbesserung bei Gesamt- oder freiem T.; Gencor
Lee-Ødegård 202495 Männer 40–80, 600 bis 1800 mg, 12 WochenAnstieg gegenüber Startwert, aber nicht gegenüber Placebo

Die letzte Zeile ist die lehrreichste. Die norwegische Untersuchung von 2024 hat als eine der wenigen ohne Herstellerbeteiligung gearbeitet und drei Dosisstufen geprüft. Die Werte stiegen über zwölf Wochen an, aber eben in allen Gruppen. Genau diesen Vergleich, Verum gegen Placebo statt Anfang gegen Ende, lässt Werbung gern weg.

Zwei Dinge fallen an dieser Liste sofort auf. Erstens sind die Gruppen klein: Die größte Einzelstudie hatte 138 Teilnehmer, mehrere lagen bei 30 bis 60. Zweitens ist die Bandbreite der untersuchten Menschen enorm, von 20-jährigen Krafttrainierenden bis zu 80-Jährigen und Männern mit gutartig vergrößerter Prostata. Genau diese Mischung führen die Autoren als Grund an, warum sie die Übertragbarkeit der Ergebnisse als eingeschränkt bewerten.

Der Trick mit der Placebogruppe

Die meistzitierte Studie zum Thema stammt von 2010 und wird bis heute als Beleg herumgereicht. Sie verglich 500 mg Extrakt gegen Placebo bei 30 krafttrainierenden Männern über acht Wochen. Der Unterschied zwischen den Gruppen war statistisch auffällig, und in Werbetexten steht dann: „Testosteron signifikant gesteigert“.

Schaut man auf die Rohwerte, sieht das Bild anders aus. In der Bockshornklee-Gruppe stieg das Gesamttestosteron im Mittel um knapp einen Punkt, in der Placebogruppe fiel es um gut zwei Punkte. Der Gruppenunterschied kommt also überwiegend dadurch zustande, dass die Vergleichsgruppe absackte, nicht dadurch, dass die Verum-Gruppe hochschoss. Bei einem intensiven achtwöchigen Trainingsprogramm ist ein Absinken in der Kontrollgruppe nicht ungewöhnlich.

Man kann das freundlich interpretieren, im Sinne von „hält den Spiegel unter Belastung stabil“. Man kann es aber nicht als Steigerung verkaufen. Beides ist ein Unterschied, den 30 Teilnehmer ohnehin nicht sicher auflösen können.

Dieselbe Vorsicht gilt bei allen Nachfolgestudien: Wo eine Prozentzahl genannt wird, lohnt immer die Rückfrage, ob sie den Unterschied zwischen den Gruppen meint oder nur die Veränderung innerhalb einer Gruppe vom Anfang bis zum Ende.

Was ist Testofen, und warum steht der Name überall?

Testofen ist kein Wirkstoff, sondern ein Markenname: ein standardisierter Bockshornklee-Samenextrakt der Firma Gencor Pacific. Von den acht Hormonstudien in der Auswertung von 2026 arbeiteten drei mit Testofen und wurden von Gencor finanziert, drei weitere mit Extrakten von Indus Biotech. Andere Produkte in der Liste heißen Furosap, AlphaFen, IND9 oder Trigozim, jeweils mit eigenem Hersteller im Hintergrund.

Das hat zwei Folgen. Erstens: Herstellerfinanzierung ist kein Beweis für Manipulation, aber sie ist ein bekannter Verzerrungsfaktor, und die Autoren der Auswertung führten sie ausdrücklich als Grund für ihren Verdacht auf Publikationsbias an. Von 13 Studien wurde keine einzige insgesamt als risikoarm eingestuft.

Zweitens, und praktisch noch wichtiger: „Bockshornklee“ ist keine einheitliche Substanz. Die geprüften Präparate unterscheiden sich in Extraktionsverfahren, Saponingehalt, Standardisierung und Darreichung erheblich. Ergebnisse eines patentierten Extrakts lassen sich nicht auf gemahlene Samen aus dem Gewürzregal übertragen, und umgekehrt genauso wenig. Was das für die Mengenangaben bedeutet, steht bei der Dosierung von Bockshornklee.

Gesamt, frei, bioverfügbar: drei verschiedene Zahlen

Ein Großteil der Verwirrung entsteht dadurch, dass die Studien nicht dasselbe gemessen haben. Gesamttestosteron ist die Summe im Blut, wovon der Großteil an Transporteiweiße gebunden und damit nicht verfügbar ist. Freies Testosteron ist der ungebundene Anteil, meist ein bis zwei Prozent. Bioverfügbares Testosteron fasst frei und locker gebunden zusammen.

Diese Werte hängen zusammen, aber nicht linear, weil das Transporteiweiß SHBG dazwischensteht. Ein kleiner Anstieg des Gesamtwerts kann bei gleichzeitig steigendem SHBG beim frei verfügbaren Anteil komplett verpuffen. Genau das ist das plausibelste Bild der aktuellen Daten: kleiner Effekt oben, nichts Belastbares unten. Die Autoren schreiben, der Befund beim freien Testosteron könne den beim Gesamtwert biologisch nicht bestätigen.

Dazu kommt, dass einige Studien das freie Testosteron gar nicht gemessen, sondern aus Formeln berechnet haben, andere Speichelwerte verwendeten. Wenn dir eine Produktseite eine Prozentzahl nennt, lohnt die Rückfrage, welcher der drei Werte gemeint ist und ob er gemessen oder gerechnet wurde.

Was sich tatsächlich verbessert hat

Es wäre unfair, die Studien nur auf den Hormonwert zu reduzieren, denn dort steht durchaus etwas. In den gepoolten Nebenauswertungen lag der Körperfettanteil rund 1,4 Prozentpunkte niedriger als unter Placebo, und das Maximalgewicht im Bankdrücken lag knapp 5 kg höher. Auch Fragebogenwerte zu Beschwerden alternder Männer und zur Sexualfunktion fielen besser aus.

Nur: Diese Endpunkte stammen fast alle aus Studien mit parallelem Training, und Fragebogenwerte sind besonders anfällig für Erwartungseffekte. Eine der Studien zeigt das Muster besonders klar: Dort verbesserte sich die Sexualfunktion deutlich, während die Testosteronwerte im Referenzbereich blieben, also gar nicht anstiegen. Das Präparat enthielt zusätzlich Zink, Magnesium und Vitamin B6, was die Zuordnung endgültig unmöglich macht.

Dazu kommt ein Maßstabsproblem. Knapp 5 kg mehr im Bankdrücken klingen nach viel, sind aber der Unterschied nach acht Wochen betreutem Training, in dem beide Gruppen stärker wurden. Und 1,4 Prozentpunkte Körperfett liegen in der Größenordnung dessen, was allein schon der Wechsel der Messmethode ausmachen kann.

Was in der Forschung fehlt

Am aufschlussreichsten an der Auswertung ist die Liste dessen, was nicht untersucht wurde. Keine der Studien schloss Männer mit ärztlich festgestelltem Testosteronmangel ein. Geprüft wurden Gesunde, Krafttrainierende, Sportler und Ältere ohne Diagnose. Ausgerechnet die Gruppe, die sich am meisten von einem solchen Präparat verspricht, kommt in den Daten nicht vor.

Ebenfalls nicht untersucht wurden die Endpunkte, die klinisch zählen würden: Spermienqualität, Fruchtbarkeit, langfristige Sicherheit. Gemessen wurden Laborwerte und Fragebögen über sechs bis zwölf Wochen. Für künftige Studien empfehlen die Autoren ausdrücklich, Protokolle vorab zu registrieren, die Präparate chemisch zu charakterisieren und Sicherheitsendpunkte gleichrangig zu behandeln.

Und ein Punkt, der für Leser wichtiger ist als jede Effektstärke: Ein einzelner Testosteronwert ist keine Diagnose. Fachgesellschaften betonen, dass ein Mangel nie an einer einzelnen Messung festgemacht wird, sondern an Beschwerden zusammen mit wiederholt niedrigen Werten. Wer sich dauerhaft schlapp fühlt, braucht als Erstes eine Abklärung, keine Kapsel.

Was das für dich bedeutet

Wenn du Bockshornklee kaufst, um deinen Testosteronspiegel zu heben, kaufst du auf Basis von sechs kleinen, größtenteils herstellerfinanzierten Studien mit einem kleinen Effekt auf einen Laborwert, der biologisch nicht bestätigt wird, bei sehr niedriger Verlässlichkeit. Das ist keine Betrugsgeschichte, es ist einfach eine schwache Grundlage für eine monatliche Ausgabe.

Zwei nüchterne Konsequenzen. Erstens: Wenn du einen niedrigen Wert vermutest, ist eine Blutabnahme in der Arztpraxis der einzige Weg, das herauszufinden, nicht ein Selbstversuch. Zweitens: Was den Spiegel messbar bewegt, sind Schlaf, Körpergewicht und Krafttraining, und diese Hebel haben wir im Vergleich aller 14 untersuchten Substanzen nach Evidenzstufen sortiert. Wie Bockshornklee dort neben Ashwagandha und Tongkat Ali steht, siehst du auf einen Blick.

Zum Vergleich lohnt der Blick auf eine Substanz, bei der genau dieser Wert mehrfach gemessen wurde und sich nichts bewegte, während die Libido-Werte stiegen: Maca und die Testosteronfrage zeigt, wie weit Werbeversprechen und Messwerte auseinanderliegen können.

Ist Bockshornklee gut für Testosteron?

Die Metaanalyse vom August 2026 fand einen kleinen Effekt auf das Gesamttestosteron und keinen belastbaren auf das freie Testosteron, bei sehr niedriger Verlässlichkeit der Daten. Von 13 geprüften Studien galt keine als risikoarm, die meisten waren herstellerfinanziert.

Welche Hormone werden durch Bockshornklee stimuliert?

Belegt ist das nicht. Die Werbung stützt sich auf Diosgenin, einen Pflanzenstoff mit steroidähnlichem Gerüst. Der menschliche Körper kann daraus jedoch kein Testosteron herstellen. Die Studien wurden gar nicht dafür gebaut, einen Hormonweg nachzuweisen.

Was ist Testofen?

Ein Markenname für einen standardisierten Bockshornklee-Samenextrakt der Firma Gencor Pacific. Drei der acht Hormonstudien nutzten ihn, jeweils vom Hersteller finanziert. Ergebnisse eines patentierten Extrakts lassen sich nicht auf gemahlene Samen aus dem Gewürzregal übertragen.

Was bewirkt Bockshornklee beim Mann?

In den Studien verbesserten sich vor allem Körperfettanteil und Kraftwerte, allerdings fast nur bei Teilnehmern, die parallel trainierten. Fragebogenwerte zu Beschwerden und Sexualfunktion fielen ebenfalls besser aus, in einer Studie sogar ohne jeden Anstieg der Testosteronwerte.

  1. Yang, P. et al. (2026). Effects of oral fenugreek-derived preparations on testosterone-related outcomes in adult men: a systematic review and meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Front Nutr 13:1903508. Volltext ansehen
  2. Wilborn, C. et al. (2010). Effects of a purported aromatase and 5α-reductase inhibitor on hormone profiles in college-age men. Int J Sport Nutr Exerc Metab 20(6):457–465. PubMed-Eintrag
  3. Poole, C. et al. (2010). The effects of a commercially available botanical supplement on strength, body composition, power output, and hormonal profiles in resistance-trained males. J Int Soc Sports Nutr 7:34. Studie ansehen
  4. Rao, A. et al. (2016). Testofen, a specialised Trigonella foenum-graecum seed extract, in healthy aging males. Aging Male 19(2):134–142. PubMed-Eintrag
  5. Lee-Ødegård, S., Gundersen, T. E., Drevon, C. A. (2024). Effect of a plant extract of fenugreek on testosterone in blood plasma and saliva. PLoS One 19(9):e0310170. PubMed-Eintrag
  6. Steels, E., Rao, A., Vitetta, L. (2011). Physiological aspects of male libido enhanced by standardized Trigonella foenum-graecum extract and mineral formulation. Phytother Res 25(9):1294–1300. PubMed-Eintrag
  7. Mansoori, A. et al. (2020). Effect of fenugreek extract supplement on testosterone levels in male: a meta-analysis of clinical trials. Phytother Res 34(7):1550–1555. Metaanalyse ansehen

Über den Autor

Rainer Lang

Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration

Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.

Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.

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