Praxis
Wie viel Maca am Tag, und wann?
In den kontrollierten Studien lagen die Mengen bei 1,5 bis 3 Gramm Pulver pro Tag, also etwa einem halben bis einem gestrichenen Teelöffel. Wer Kapseln mit 500 Milligramm kauft, bräuchte dafür drei bis sechs Stück täglich. Viele Packungsempfehlungen liegen darunter.
Die Menge aus den Studien
In den kontrollierten Untersuchungen am Menschen lagen die Tagesmengen fast durchweg zwischen 1,5 und 3 Gramm getrocknetem Maca-Pulver. Die bekannteste Arbeit zur Libido verglich 1,5 und 3 Gramm gegen Placebo und fand zwischen den beiden Mengen keinen deutlichen Unterschied. Mehr war also nicht besser, jedenfalls nicht in diesem Rahmen.
Diese Zahl ist der Maßstab, an dem sich jedes Produkt messen lassen muss. Sie klingt unspektakulär, hat aber eine unbequeme Folge: 1,5 Gramm sind 1500 Milligramm. Eine handelsübliche Kapsel fasst 400 bis 600 Milligramm Pulver. Wer die untersuchte Menge erreichen will, landet damit bei drei bis vier Kapseln täglich, und genau das steht selten so deutlich auf der Packung.
In der Praxis heißt das: Ein Produkt, das zwei Kapseln pro Tag empfiehlt, liefert häufig unter einem Gramm. Das ist keine Fälschung und kein Betrug, aber es liegt unterhalb dessen, was geprüft wurde. Wer sich fragt, warum er nichts merkt, findet hier oft die schlichtere Erklärung als in der Sortenwahl.
Pulver, Kapseln, Extrakt: warum Milligramm nicht gleich Milligramm ist
Der größte Rechenfehler in diesem Markt entsteht zwischen Pulver und Extrakt. Bei Pulver ist die getrocknete Knolle einfach gemahlen, ein Gramm Pulver entspricht einem Gramm Knolle in getrockneter Form. Bei einem Extrakt wurde konzentriert, und das Verhältnis steht als Zahl auf der Packung, etwa 10:1 oder 20:1.
| Form | Typische Angabe | Was das praktisch bedeutet |
|---|---|---|
| Loses Pulver | 1,5 bis 3 g pro Tag | Entspricht direkt der Menge aus den Studien, etwa ein halber bis ein gehäufter Teelöffel |
| Kapseln mit Pulver | 500 mg pro Kapsel | Drei bis sechs Kapseln nötig, um in den Studienbereich zu kommen |
| Extrakt 10:1 | 300 bis 500 mg | Rechnerisch 3 bis 5 g Rohware, aber in dieser Form nicht geprüft |
| Extrakt 20:1 oder höher | 200 bis 400 mg | Klingt stark, entfernt sich am weitesten von der Studienlage |
| Kombipräparat | Maca plus Zink, Arginin, Tribulus | Maca-Anteil oft gering, Wirkung nicht zuordenbar |
Ein hoher Extraktgrad wird gern als Qualitätsmerkmal verkauft. Bei Maca ist er vor allem eines: eine Entfernung von dem, was untersucht wurde. Alle brauchbaren Studien nutzten Pulver oder niedrig konzentrierte Zubereitungen. Ob ein 20:1-Extrakt dieselben Inhaltsstoffe im selben Verhältnis liefert, ist nicht geprüft.
Der Teelöffel als Maß
Wer loses Pulver kauft, braucht keine Waage, aber eine grobe Vorstellung. Ein gestrichener Teelöffel Maca-Pulver wiegt etwa 3 Gramm, ein halber Teelöffel entsprechend rund 1,5 Gramm. Damit deckt bereits ein halber bis ein Teelöffel den gesamten Bereich ab, der in Studien verwendet wurde.
Das ist deutlich weniger, als viele Rezepte im Netz nahelegen, wo gern von Esslöffeln die Rede ist. Ein gehäufter Esslöffel liegt bei rund 10 Gramm und damit beim Drei- bis Sechsfachen der untersuchten Menge. Das ist nicht automatisch gefährlich, Maca ist ein Lebensmittel, aber es ist unnötig und die häufigste Ursache für Magenbeschwerden.
Morgens oder abends?
Zur Tageszeit gibt es keine belastbaren Studiendaten, wohl aber ein konsistentes Muster in Erfahrungsberichten und Herstellerempfehlungen: morgens oder mittags, nicht am späten Abend. Der Grund ist die berichtete anregende Wirkung, die bei manchen Menschen das Einschlafen stört.
Das ist bemerkenswert, weil Maca gleichzeitig als Adaptogen gegen Stress vermarktet wird, also mit einem eher beruhigenden Versprechen. Beide Zuschreibungen stehen nebeneinander, ohne dass eine davon sauber geprüft wäre. Praktisch heißt das: Probiere es morgens, und wenn du unruhig wirst, ist das ein Hinweis, keinen Beweis für irgendetwas.
Zur Frage nüchtern oder zum Essen: In den Studien wurde das nicht systematisch variiert. Wer empfindlich im Magen ist, fährt mit einer Mahlzeit besser, weil die Stärke im Pulver sonst leichter zu Blähungen führt. Ein Wirkungsunterschied ist dabei nicht belegt.
Wie lange dauert es, bis etwas passiert?
Die Studienzeiträume geben die realistische Antwort: Gemessen wurde nach acht, zwölf oder in Einzelfällen nach sechs Wochen. Kein serioses Ergebnis stammt aus der ersten Woche. Wer nach drei Tagen etwas spürt, spürt mit hoher Wahrscheinlichkeit die eigene Erwartung oder eine gleichzeitige Änderung im Schlaf oder Training.
Als Planungsgröße für einen eigenen Versuch sind acht bis zwölf Wochen deshalb der einzige sinnvolle Rahmen. Kürzer und du misst Rauschen, länger und du verlässt den Bereich, für den überhaupt Daten vorliegen. Rechne den Preis für diesen Zeitraum vorher aus, das ist die ehrlichste Entscheidungsgrundlage.
Der Umkehrschluss gilt genauso: Wer nach zwölf Wochen nichts bemerkt, hat nichts falsch gemacht. Bei einer Substanz, deren bestbelegter Effekt in Fragebogenwerten kleiner Gruppen liegt, ist „nichts gemerkt“ ein häufiges und völlig normales Ergebnis. Warum die Berichte trotzdem so weit auseinandergehen, steht bei den Erfahrungsberichten zu Maca.
Gibt es eine eigene Menge für Männer und Frauen?
Die Suchanfragen trennen streng nach Geschlecht, die Studien tun das nicht. Die Mengen von 1,5 bis 3 Gramm tauchen in Untersuchungen an Männern wie an Frauen auf, und niemand hat je geprüft, ob eine geschlechtsspezifische Menge sinnvoll wäre. Wer im Netz eine „Frauendosierung“ findet, liest eine Herstellerangabe, keinen Studienbefund.
Das Gleiche gilt für die Anpassung an das Körpergewicht. Bei manchen Substanzen ist das sinnvoll und untersucht, bei Maca nicht. In den Studien bekamen alle Teilnehmer dieselbe feste Menge, unabhängig davon, ob sie 60 oder 100 Kilogramm wogen. Eine Umrechnung auf Milligramm pro Kilogramm hat hier keine Grundlage.
Was tatsächlich unterschiedlich ausfällt, ist die Verträglichkeit im Magen, und die hängt nicht am Geschlecht, sondern an der Empfindlichkeit des Einzelnen und an der Form des Pulvers.
Wie du langsam einsteigst
Der häufigste Fehler beim Start ist, sofort mit der vollen Menge zu beginnen. Das führt bei einem Teil der Anwender zu Blähungen und Bauchdrücken, die nichts mit einer Wirkung zu tun haben, sondern schlicht mit einem Gramm Stärke, das der Darm nicht gewohnt ist.
Sinnvoller ist ein Einstieg mit etwa einem Gramm täglich, also einem knappen Drittel Teelöffel, über die erste Woche. Verträgst du das gut, steigerst du auf die Menge, die du testen willst. Diese Vorgehensweise steht in keiner Studie, sie folgt schlicht dem Umgang mit ballaststoff- und stärkereichen Lebensmitteln allgemein.
Wer weiterhin Probleme hat, wechselt eher die Form als die Menge. Gelatiniertes Pulver ist erhitzt und dadurch bekömmlicher als rohes, und Kapseln umgehen zusätzlich den Geschmack, der vielen als erdig bis unangenehm auffällt. Welche Form sich wie unterscheidet, steht beim Vergleich der Maca-Sorten und Verarbeitungsformen.
Braucht es Einnahmepausen?
Im Netz kursieren feste Zyklen, oft fünf Tage Einnahme und zwei Tage Pause oder drei Wochen und eine Woche Pause. Eine Studiengrundlage dafür gibt es nicht. Die vorliegenden Untersuchungen liefen durchgehend über ihren Zeitraum, ohne eingebaute Pausen, und beobachteten keinen Gewöhnungseffekt, der eine Pause nötig machen würde.
Das heißt nicht, dass Pausen schaden. Es heißt, dass die konkreten Zahlen erfunden sind. Wer eine Pause einlegen will, kann das tun, sollte aber wissen, dass er damit keiner geprüften Empfehlung folgt. Sinnvoller als jeder Zyklus ist ein festes Enddatum: acht bis zwölf Wochen testen, dann bewusst entscheiden, ob es weitergeht.
Wie du Maca in den Alltag bekommst
Loses Pulver ist die günstigste Form und zugleich die, bei der die meisten Menschen nach zwei Wochen aufgeben. Der Grund ist der Geschmack: erdig, leicht malzig, von manchen als karamellig beschrieben, von anderen schlicht als unangenehm. Kalt in Wasser eingerührt kommt das am stärksten durch.
Besser funktioniert es in etwas, das selbst Eigengeschmack und Substanz mitbringt: Haferbrei, Joghurt, ein Smoothie mit Banane, Milch oder ein pflanzlicher Drink. Die Stärke im Pulver bindet Flüssigkeit, deshalb wird ein Getränk mit größeren Mengen spürbar dicker. Wer das nicht mag, ist mit Kapseln besser bedient und zahlt dafür den höheren Kilopreis.
Eine praktische Einschränkung noch: Zum Backen oder in heiße Speisen wird Maca zwar oft empfohlen, dazu gibt es aber keine Daten. Ob die Inhaltsstoffe, an denen die Wirkung hängen soll, längeres Erhitzen unbeschadet überstehen, ist nicht untersucht. Wer auf Nummer sicher gehen will, rührt das Pulver in etwas Kaltes oder Lauwarmes ein.
Gibt es eine Obergrenze?
Eine gesetzlich festgelegte Höchstmenge für Maca gibt es in Deutschland nicht. In Peru werden traditionell deutlich größere Mengen als Nahrungsmittel gegessen, teils im zweistelligen Grammbereich, allerdings gekocht und als Teil einer Mahlzeit, nicht als konzentriertes Pulver auf nüchternen Magen.
Was bei zu viel passiert, ist selten dramatisch und meist verdauungsbedingt: Blähungen, Bauchschmerzen, gelegentlich Durchfall. Bei sehr hohen Mengen roher Ware kommt der Punkt hinzu, der die Schilddrüse betrifft. Was dabei tatsächlich bekannt ist und wer vorsichtig sein sollte, steht bei den Nebenwirkungen und Gegenanzeigen.
Die praktische Empfehlung bleibt unspektakulär: Es gibt keinen belegten Grund, über die untersuchten 3 Gramm hinauszugehen. Mehr kostet mehr, belastet den Magen stärker und hat in der einzigen Studie, die zwei Mengen verglich, keinen Zusatznutzen gebracht.
Welche Menge sinnvoll ist, hängt auch davon ab, welches Ziel du verfolgst. Für den einzigen Endpunkt mit kontrollierten Daten lohnt der Blick auf die Studien zum sexuellen Verlangen.
Wie viel Maca sollte man am Tag nehmen?
In den kontrollierten Studien lagen die Mengen bei 1,5 bis 3 Gramm Pulver täglich. Die Untersuchung, die beide Mengen verglich, fand dazwischen keinen deutlichen Unterschied. Mehr als 3 Gramm bringt nach heutiger Datenlage keinen Zusatznutzen.
Wie viel Maca-Pulver ist ein Teelöffel?
Ein gestrichener Teelöffel entspricht etwa 3 Gramm, ein halber Teelöffel rund 1,5 Gramm. Damit deckt bereits ein halber bis ein Teelöffel den kompletten Bereich ab, der in Studien eingesetzt wurde. Angaben in Esslöffeln liegen deutlich darüber.
Wie viele Maca-Kapseln entsprechen der Studienmenge?
Bei den üblichen 500 Milligramm pro Kapsel sind das drei bis sechs Kapseln täglich. Viele Packungen empfehlen zwei Stück und liegen damit unter einem Gramm, also unterhalb dessen, was untersucht wurde. Ein Blick auf die Menge pro Tagesportion lohnt sich mehr als der auf die Kapselzahl.
Sollte man Maca morgens oder abends einnehmen?
Studiendaten zur Tageszeit gibt es nicht. Empfohlen wird überwiegend morgens oder mittags, weil manche Anwender die Wirkung als anregend beschreiben und abends schlechter einschlafen. Wer empfindlich im Magen ist, nimmt es zu einer Mahlzeit.
Muss man bei Maca Einnahmepausen machen?
Dafür gibt es keine Studiengrundlage. Die vorliegenden Untersuchungen liefen durchgehend ohne Pausen und beobachteten keinen Gewöhnungseffekt. Die im Netz kursierenden Zyklen sind frei erfunden, sinnvoller ist ein festes Enddatum nach acht bis zwölf Wochen.
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- Shin, B. C. et al. (2010). Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complement Altern Med 10:44. Übersichtsarbeit ansehen
- Gonzales-Arimborgo, C. et al. (2016). Acceptability, safety, and efficacy of oral administration of extracts of black or red maca in adults. Pharmaceuticals 9(3):49. PubMed-Eintrag
- Wang, S., Zhu, F. (2019). Chemical composition and health effects of maca (Lepidium meyenii). Food Chem 288:422–443. Übersichtsarbeit ansehen
- Melnikovova, I. et al. (2015). Effect of Lepidium meyenii Walp. on semen parameters and serum hormone levels in healthy adult men. Evid Based Complement Alternat Med 2015:324369. PubMed-Eintrag
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.