Studien-Check
Was Maca bei Frauen bewirkt
Untersucht ist vor allem die Zeit nach den Wechseljahren: Kleine Studien berichten niedrigere Beschwerdewerte in Fragebögen, während Estradiol und FSH unverändert blieben. Der Werbesatz von der hormonellen Balance wird davon eher widerlegt als gestützt. Zu Zyklus und PMS fehlen kontrollierte Studien ganz.
Wo die Datenlage bei Frauen steht
Maca wird in Deutschland stark an Frauen vermarktet, mit Versprechen zu Hormonbalance, Zyklus und Wechseljahren. Die Studienlage ist deutlich schmaler als dieses Angebot vermuten lässt, aber sie ist nicht leer. Es gibt eine Handvoll kleiner kontrollierter Untersuchungen, fast alle an Frauen nach den Wechseljahren.
Was diese Studien berichten, folgt demselben Muster wie bei Männern: Fragebogenwerte verbessern sich, während die gemessenen Hormonwerte gleich bleiben. In einer Untersuchung an Frauen nach der Menopause veränderten sich Estradiol und FSH nicht, obwohl die Beschwerdeskalen niedriger ausfielen.
Das ist der wichtigste Satz für diese Seite: Wenn ein Produkt damit wirbt, es bringe „die Hormone ins Gleichgewicht“, dann behauptet es etwas, das in den Studien gerade nicht passiert ist. Maca hat in den vorliegenden Untersuchungen keine Hormonwerte verschoben.
Was untersucht ist und was nicht
| Thema | Studienlage bei Frauen | Bewertung |
|---|---|---|
| Wechseljahresbeschwerden | Mehrere kleine Studien mit besseren Fragebogenwerten, Gruppen unter 30 Personen | Dünn |
| Stimmung und Angst | Einzelne Studien berichten Verbesserungen, Ergebnisse uneinheitlich | Dünn |
| Sexuelles Verlangen | Überwiegend an Männern untersucht, bei Frauen nur Einzeldaten | Dünn |
| Blutdruck nach der Menopause | Eine kleine Pilotstudie mit günstigen Werten | Einzelbefund |
| Hormonwerte | Estradiol und FSH blieben in den Studien unverändert | Kein Effekt gemessen |
| Zyklus und PMS | Keine aussagekräftigen kontrollierten Studien | Nicht belegt |
| Kinderwunsch | Keine Studien zu Schwangerschaftsraten bei Frauen | Nicht belegt |
Die letzten beiden Zeilen betreffen ausgerechnet die Themen, mit denen am lautesten geworben wird. Zu Zyklusbeschwerden und PMS gibt es keine belastbaren Daten, und wer bei unerfülltem Kinderwunsch nach Belegen sucht, findet bei Frauen keine. Das ist ein Thema für eine Kinderwunschsprechstunde, nicht für ein Regal. Welche Untersuchungen es dazu überhaupt gibt, haben wir in der Auswertung zum unerfüllten Kinderwunsch zusammengetragen.
Wechseljahre: der bestuntersuchte Bereich
Hier liegen die meisten Daten, und sie sind trotzdem dünn. Die Studien umfassen meist unter dreißig Teilnehmerinnen, laufen sechs bis zwölf Wochen und messen Beschwerden über standardisierte Fragebögen. Berichtet werden niedrigere Werte für Beschwerden insgesamt sowie für die psychische Teilskala.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens sind Fragebogenwerte in kleinen Gruppen besonders anfällig für Erwartungseffekte, und in Studien zu Hitzewallungen bessern sich Placebogruppen regelmäßig deutlich. Zweitens fehlen längere Untersuchungen vollständig, sodass sich zu einer Anwendung über Monate oder Jahre nichts sagen lässt.
Wichtig ist die Abgrenzung zu einer Hormontherapie. Maca ist kein Ersatz dafür und wirkt nach den vorliegenden Daten auch nicht über denselben Weg, denn es hat die Hormonwerte nicht verändert. Wer unter starken Beschwerden leidet, trifft diese Entscheidung sinnvollerweise in der gynäkologischen Praxis.
Zyklus, PMS und die Werbung dazu
Kaum ein Frauenprodukt in diesem Markt kommt ohne Zyklusversprechen aus. Belegt ist davon nichts. Es existieren keine kontrollierten Studien, die Maca bei PMS, Regelschmerzen oder Zyklusunregelmäßigkeiten am Menschen geprüft hätten.
Was es gibt, sind Erfahrungsberichte und die allgemeine Adaptogen-Erzählung. Der Begriff stammt aus der sowjetischen Forschung der 1940er Jahre und ist keine zugelassene Wirkkategorie. Auf einer Packung ist er eine Behauptung, kein Beleg.
Ein praktischer Hinweis dazu: Zyklusbeschwerden schwanken von Monat zu Monat erheblich. Wer in einem besonders schlechten Monat mit etwas Neuem beginnt, erlebt im nächsten Monat oft eine Besserung, die auch ohne jedes Mittel eingetreten wäre. Diese Regression zur Mitte erklärt einen erheblichen Teil begeisterter Berichte.
Der Unterschied zwischen Beschwerde und Hormonwert
Ein Gedanke, der beim Lesen von Studien zu Frauenthemen häufig fehlt: Beschwerden und Hormonwerte sind zwei verschiedene Dinge, und sie hängen weniger eng zusammen, als die Werbung nahelegt. Zwei Frauen mit identischen Estradiolwerten können völlig unterschiedlich stark unter Hitzewallungen und Schlafstörungen leiden.
Daraus folgt etwas Wichtiges für die Bewertung von Maca: Dass die Hormonwerte unverändert blieben, während Beschwerdeskalen niedriger ausfielen, ist kein Widerspruch. Es heißt nur, dass ein eventueller Effekt nicht über den Hormonhaushalt läuft, sondern über etwas anderes, das niemand bisher benennen kann.
Für deine Kaufentscheidung dreht das die übliche Werbelogik um. Ein Produkt, das mit Hormonbalance wirbt, verspricht genau den Weg, den die Studien nicht gefunden haben. Ein Produkt, das ehrlicher formuliert wäre, müsste sagen: In kleinen Studien ging es einigen Frauen besser, warum, weiß man nicht.
Rotes Maca als Frauenprodukt
Rotes Maca wird fast durchgängig an Frauen verkauft. Diese Zuordnung stammt aus dem Handel, nicht aus Vergleichsstudien. Die bekanntesten Arbeiten zu roter Maca stammen aus Tierversuchen und betreffen ausgerechnet die Prostata.
Am Menschen existiert keine Untersuchung, die die drei Farben direkt gegeneinander prüft. Wer rotes Maca kauft, kauft zuverlässig die seltenere und teurere Knolle, nicht zuverlässig einen frauenspezifischen Effekt. Die Einzelheiten stehen beim Sortenvergleich der Maca-Farben.
Sicherheit: der Punkt, den die Frauenwerbung auslässt
Eine Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung, die Stiftung Warentest aufgegriffen hat, verweist auf Tierversuche, in denen Maca und Maca-Extrakte unerwünschte Effekte auf die Geschlechtsorgane und den Hormonhaushalt zeigten, unter anderem erhöhte Uterusgewichte. Klare Belege für Schäden beim Menschen ergaben sich daraus nicht, Belege für die Unbedenklichkeit aber ebenso wenig.
Das ist keine Warnung vor akuter Gefahr, sondern eine Wissenslücke. Sie ist trotzdem erwähnenswert, weil ausgerechnet die Produkte, die mit hormoneller Balance werben, diesen Punkt nie nennen. Wer eine hormonabhängige Erkrankung hat, sollte die Einnahme deshalb ärztlich abklären.
Dazu kommen die allgemeinen Punkte: Maca ist ein Kreuzblütler und kann in großen Mengen roh die Jodaufnahme stören, was bei Schilddrüsenerkrankungen relevant ist. Für Schwangerschaft und Stillzeit fehlen belastbare Daten vollständig. Die ausführliche Einordnung steht bei den Schilddrüse, Schwangerschaft und den übrigen Gegenanzeigen.
Warum die Studien bei Frauen so klein blieben
Wer die Quellenliste unten anschaut, sieht dasselbe Bild wie beim Rest dieser Substanz: Gruppen von vierzehn bis zu wenigen Dutzend Teilnehmerinnen, Laufzeiten von sechs bis zwölf Wochen, teils dieselben Forschungsgruppen. Eine große, unabhängige Studie zu Frauen und Maca gibt es bis heute nicht.
Der Grund ist derselbe wie überall in diesem Feld: Eine Knolle lässt sich nicht patentieren. Wer eine Untersuchung mit mehreren hundert Teilnehmerinnen bezahlt, schafft Wissen, von dem jeder Mitbewerber profitiert. Also finanziert es niemand, und die Werbung füllt die Lücke mit Erzählungen.
Ein zweiter Punkt kommt bei Frauenthemen hinzu: Wechseljahresbeschwerden und Zyklusprobleme sind in der Forschung insgesamt unterbeleuchtet, nicht nur bei Maca. Die dünne Datenlage ist also kein Maca-Sonderfall, sondern ein Muster, das sich durch viele Präparate für Frauen zieht.
Wechselwirkung mit der Pille
Diese Frage wird häufig gestellt und lässt sich ehrlich nur so beantworten: Es gibt keine Untersuchungen dazu. Systematische Studien zu Wechselwirkungen zwischen Maca und Arzneimitteln existieren praktisch nicht, auch nicht für hormonelle Verhütungsmittel.
Fehlende Daten sind kein Freibrief und auch kein Alarm. Sie bedeuten, dass niemand nachgesehen hat. Wer hormonell verhütet und ein Präparat dauerhaft nehmen möchte, spricht das sinnvollerweise in der Praxis oder Apotheke an, statt sich auf Forenaussagen zu verlassen.
Was in Frauenprodukten sonst noch drinsteckt
Ein Blick auf das Regal zeigt schnell: Reine Maca-Produkte für Frauen sind die Ausnahme. Die typische Zusammensetzung kombiniert rotes Maca-Pulver mit Salbei, Tribulus, Bockshornklee, Mönchspfeffer, Rotklee oder einem Vitaminkomplex, und der Produktname spielt meist auf Weiblichkeit oder Hormonbalance an.
Für dich hat das zwei Folgen. Erstens lässt sich bei einer Wirkung nicht sagen, woran sie lag, denn das Produkt enthält fünf Kandidaten. Zweitens hat die Zusammensetzung eigene Konsequenzen: Für Bockshornklee etwa ist die Blutzuckerwirkung der bestbelegte Effekt, was bei Diabetesmedikamenten relevant wird, und Mönchspfeffer greift in den Prolaktinhaushalt ein.
Wer wissen will, ob Maca bei ihr etwas bewirkt, braucht also ein Produkt, in dem nur Maca steckt. Wer ein Kombipräparat nimmt, sollte jede einzelne Zutat kennen, statt sich auf den Namen auf der Vorderseite zu verlassen.
Was du von einem Frauenprodukt erwarten kannst
Realistisch: wenig Spürbares in den ersten Wochen und, falls überhaupt, eine moderate Veränderung im Befinden nach zwei bis drei Monaten. Die Studien maßen nach sechs bis zwölf Wochen, nicht früher.
Wenn du es ausprobieren willst, lohnt sich dieselbe Disziplin wie bei jedem Selbstversuch: ein Produkt ohne zehn weitere Zutaten, eine feste Menge im untersuchten Bereich, ein Enddatum und ein vorher festgelegtes Kriterium. Warum das bei diesem Thema besonders wichtig ist, steht bei den der Anleitung für einen brauchbaren Selbstversuch.
Und die Einordnung, die keine Packung mitliefert: Bei Wechseljahresbeschwerden sind Schlaf, Bewegung und der Umgang mit Stress die Faktoren mit dem größten belegten Einfluss. Sie sind unspektakulär, kosten nichts und stehen in keiner Werbung, weil sich damit nichts verkaufen lässt.
Was bewirkt Maca bei Frauen?
Untersucht ist vor allem die Zeit nach den Wechseljahren: Kleine Studien berichten niedrigere Beschwerdewerte in Fragebögen, während Estradiol und FSH unverändert blieben. Zu Zyklus, PMS und Kinderwunsch fehlen kontrollierte Studien am Menschen.
Hilft Maca in den Wechseljahren?
Es gibt mehrere kleine Untersuchungen mit besseren Fragebogenwerten, meist unter dreißig Teilnehmerinnen und über sechs bis zwölf Wochen. Das reicht für einen Hinweis, nicht für einen Beleg. Ein Ersatz für eine Hormontherapie ist Maca nach diesen Daten nicht.
Bringt Maca die Hormone ins Gleichgewicht?
Diesen Werbesatz widerlegen die Studien eher, als dass sie ihn stützen. In den vorliegenden Untersuchungen an Frauen blieben die gemessenen Hormonwerte unverändert, während sich Fragebogenwerte besserten. Eine hormonelle Wirkung ist damit gerade nicht gezeigt.
Ist rotes Maca besser für Frauen?
Diese Zuordnung stammt aus dem Handel. Am Menschen gibt es keine Studie, die die Farben direkt gegeneinander prüft. Die bekanntesten Arbeiten zu rotem Maca stammen aus Tierversuchen und betreffen die Prostata.
Kann man Maca zusammen mit der Pille einnehmen?
Dazu gibt es keine Untersuchungen. Systematische Studien zu Wechselwirkungen zwischen Maca und Arzneimitteln fehlen weitgehend, auch für hormonelle Verhütungsmittel. Wer dauerhaft beides nehmen möchte, sollte das in der Praxis oder Apotheke ansprechen.
- Brooks, N. A. et al. (2008). Beneficial effects of Lepidium meyenii (Maca) on psychological symptoms and measures of sexual dysfunction in postmenopausal women are not related to estrogen or androgen content. Menopause 15(6):1157–1162. PubMed-Eintrag
- Stojanovska, L. et al. (2015). Maca reduces blood pressure and depression in a pilot study in postmenopausal women. Climacteric 18(1):69–78. PubMed-Eintrag
- Meissner, H. O. et al. (2006). Hormone-balancing effect of pre-gelatinized organic maca: (III) Clinical responses of early-postmenopausal women. Int J Biomed Sci 2(4):375–394. PubMed-Eintrag
- Dording, C. M. et al. (2008). A double-blind, randomized, pilot dose-finding study of maca root for antidepressant-induced sexual dysfunction. CNS Neurosci Ther 14(3):182–191. PubMed-Eintrag
- Stiftung Warentest. Anden-Ginseng Maca: Potenziell gesehen. Meldung ansehen
- Verbraucherzentrale. Kudzu, Schlafbeere, Maca: Riskante Pflanzen in Nahrungsergänzungsmitteln. Marktcheck ansehen
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.