Studien-Check
Steigert Maca wirklich die Lust?
Das ist der einzige Endpunkt, bei dem Maca kontrollierte Daten vorweisen kann: Mehrere kleine Studien berichten höheres sexuelles Verlangen nach acht bis zwölf Wochen, gemessen per Fragebogen. In denselben Studien blieben Testosteron und Estradiol unverändert. Der Effekt ist klein, die Gruppen umfassten 20 bis 50 Personen.
Was in den Studien tatsächlich gemessen wurde
Von allen Versprechen rund um Maca ist dieses das einzige, hinter dem überhaupt kontrollierte Daten stehen. Mehrere kleine Studien haben das sexuelle Verlangen mit standardisierten Fragebögen erfasst und fanden nach acht bis zwölf Wochen höhere Werte in der Maca-Gruppe als unter Placebo.
Der Maßstab, den man dabei im Kopf behalten muss: Gemessen wurde, wie Menschen ihre eigene Lust einschätzen, nicht wie oft sie Sex hatten und schon gar kein körperlicher Messwert. Das ist kein Makel, denn Verlangen lässt sich schwer anders erfassen. Es heißt aber, dass die Ergebnisse denselben Unsicherheiten unterliegen wie jede Selbsteinschätzung.
Die Größenordnung ist ebenfalls wichtig. In der bekanntesten Untersuchung nahmen 21 Männer teil. Weitere Arbeiten liegen bei 20 bis 50 Personen. Eine systematische Übersicht fasste die verfügbaren Studien zusammen und kam zu dem Schluss, dass es Hinweise auf einen Effekt gibt, die Datenbasis für eine belastbare Aussage aber zu schmal ist.
Die Studien im Überblick
Diese Tabelle zeigt, wer was untersucht hat und wo die Grenzen liegen.
| Studie | Teilnehmer, Menge, Dauer | Ergebnis |
|---|---|---|
| Gonzales 2002 | 21 Männer, 1,5 oder 3 g, 12 Wochen | Verlangen höher ab Woche 8, Hormonwerte unverändert |
| Zenico 2009 | 50 Männer mit leichter ED, 12 Wochen | Bessere Werte bei Wohlbefinden und Sexualfunktion |
| Dording 2008 | Frauen und Männer mit Sexualstörung unter Antidepressiva | Höhere Dosis besser als niedrige, kleine Gruppe |
| Stone 2009 | 8 Radfahrer, 2 g, 14 Tage | Verlangen höher, sehr kleine Gruppe |
| Shin 2010 | Systematische Übersicht aller Studien | Hinweise vorhanden, Datenbasis zu dünn für ein Urteil |
Auffällig ist, was fehlt: eine große Studie. Seit der Übersichtsarbeit von 2010 ist keine Untersuchung erschienen, die das Bild grundlegend verbessert hätte. Der Grund liegt weniger an der Pflanze als am Geld, denn eine Knolle lässt sich nicht patentieren, und wer eine große Studie bezahlt, schenkt das Ergebnis der gesamten Branche.
Der Befund, der Maca von allen anderen unterscheidet
In denselben Studien, in denen das Verlangen zunahm, wurden Testosteron und Estradiol im Blut mitbestimmt. Sie blieben unverändert. Genau dieser Punkt steht im Titel einer der Originalarbeiten, und er ist das Interessanteste an der ganzen Substanz.
Denn er sagt zweierlei. Erstens: Wer Maca als Hormonmittel kauft, kauft am Befund vorbei. Wie sich das im Einzelnen darstellt, steht bei Maca und der Testosteronfrage. Zweitens: Lust ist offenbar nicht dasselbe wie Hormonspiegel. Sie hängt an Schlaf, Stress, Beziehung, Erwartung, Tagesform, und ein Mittel kann an einer dieser Stellen etwas verschieben, ohne eine Hormonachse zu berühren.
Welcher Mechanismus dahintersteckt, weiß niemand. Diskutiert werden Macamide und ein Einfluss auf das Nervensystem, belegt ist keiner dieser Wege. Wer dir eine genaue Wirkerklärung anbietet, erzählt eine Geschichte, keine Studie.
Warum Placebo hier besonders stark ist
Sexuelle Endpunkte gehören zu den placeboanfälligsten überhaupt. In Studien zu Erektionsproblemen bessern sich auch die Placebogruppen regelmäßig deutlich, teils um ein Drittel. Das liegt nicht daran, dass die Teilnehmer sich etwas einbilden, sondern daran, dass Erwartung, Aufmerksamkeit und das Gefühl, etwas zu unternehmen, bei diesem Thema real wirken.
Für die Bewertung heißt das: Ein Unterschied zur Placebogruppe wiegt hier mehr als anderswo, weil die Messlatte höher liegt. Genau deshalb sind die Maca-Befunde überhaupt erwähnenswert. Es heißt aber auch, dass ein Selbstversuch ohne Vergleichsgruppe bei diesem Endpunkt fast nichts beweist.
Dazu kommt ein Verblindungsproblem: Maca hat einen deutlichen erdigen Eigengeschmack. Wer loses Pulver nimmt, weiß bei jeder Portion, dass er es nimmt. In Kapselstudien ist das besser gelöst, bei einem eigenen Versuch mit Pulver gar nicht.
Lust und Erektion sind zwei verschiedene Fragen
Im Alltag verschwimmen beide, medizinisch sind es getrennte Dinge. Verlangen ist der Wunsch nach Sex. Eine Erektionsstörung ist ein körperlicher Vorgang, bei dem die Durchblutung nicht ausreicht. Man kann das eine ohne das andere haben, und die Ursachen sind verschieden.
Zur Erektion gibt es bei Maca genau eine nennenswerte Studie: 50 Männer mit leicht ausgeprägter Störung, zwölf Wochen, bessere Fragebogenwerte. Das ist ein Hinweis, keine Grundlage. Vergleiche mit Medikamenten, die genau für diesen Zweck zugelassen sind, verbieten sich damit von selbst.
Wichtiger noch: Eine neu aufgetretene Erektionsstörung ist häufig ein frühes Warnsignal für Gefäßprobleme, Diabetes oder Bluthochdruck. Sie gehört deshalb abgeklärt und nicht mit einem Pulver überdeckt. Das ist der einzige Rat auf dieser Seite, der wirklich wichtig ist.
Wie lange dauert es, bis sich etwas zeigt?
In der Studie mit den klarsten Angaben trat der Unterschied zur Placebogruppe nach etwa acht Wochen auf, nicht früher. Alle anderen Arbeiten maßen nach acht bis zwölf Wochen. Es existiert kein Befund, der eine kurzfristige Wirkung stützt.
Das räumt mit der verbreitetsten Werbebehauptung auf: Maca ist kein Mittel, das man vor einem Abend einnimmt. Wer nach drei Tagen etwas spürt, spürt mit hoher Wahrscheinlichkeit Erwartung. Wie sich ein eigener Versuch trotzdem brauchbar anlegen lässt, steht bei den vier Lesergruppen und ihren Maßstäben.
Was Verbraucherschützer zu Potenzversprechen sagen
Stiftung Warentest hat sich Maca bereits vor Jahren angesehen, allerdings nicht als Produkttest, sondern als Einordnung einer Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Aus den vorliegenden Untersuchungen ergaben sich weder klare Belege für Schäden beim Menschen noch Belege für die gesundheitliche Unbedenklichkeit, weil die Datenbasis dafür zu dünn ist.
Ausdrücklich benannt wurden dabei die Werbebegriffe, mit denen macahaltige Kapseln vermarktet werden, darunter Formulierungen aus dem Umfeld von Potenz und hormoneller Balance. Der Kritikpunkt lautet also nicht „gefährlich“, sondern dass die Versprechen weiter reichen als die Belege.
2023 hat dieselbe Organisation siebzehn Nahrungsergänzungsmittel für Männer geprüft, viele davon mit ähnlichen Versprechen. Kein einziges Produkt konnte überzeugen, bei mehreren wurden empfohlene Höchstmengen einzelner Vitamine und Mineralstoffe überschritten. Was das für die Siegel auf Maca-Packungen bedeutet, steht bei der Prüfung der Maca-Testsieger-Behauptungen.
Was auf Potenzprodukten steht
Rund um dieses Thema häufen sich Formulierungen, die rechtlich heikel sind. „Pflanzliches Viagra“ und „Potenzwurzel“ sind keine zulässigen Angaben für ein Lebensmittel, und für Maca ist in der EU kein gesundheitsbezogener Werbeclaim zugelassen. Wo solche Begriffe auftauchen, verkauft jemand mit Aussagen, die er so nicht machen dürfte.
Auffällig ist auch, wie oft Maca in Kombipräparaten steckt, zusammen mit L-Arginin, Zink, Ginseng oder Koffein. Wenn dabei etwas passiert, lässt sich hinterher niemandem zuordnen, woran es lag. Wer wissen will, ob Maca bei ihm etwas bewirkt, braucht ein Produkt, in dem nur Maca ist.
Und der Klassiker: die Sortenfrage. Schwarzes Maca wird für genau dieses Thema am teuersten verkauft, ohne dass ein Vergleich am Menschen existiert. Was die Farben wirklich unterscheidet, steht beim Sortenvergleich von schwarzem, rotem und gelbem Maca.
Wenn die Lust nachlässt: die häufigen Ursachen
Nachlassendes Verlangen hat selten eine einzelne Ursache, und ein Hormonmangel steht in der Liste der Häufigkeiten weiter unten, als die Werbung nahelegt. Ganz oben stehen Schlafmangel, chronischer Stress, Erschöpfung und depressive Verstimmungen.
Ein Punkt verdient besondere Erwähnung, weil er so oft übersehen wird: Medikamente. Antidepressiva vom SSRI-Typ, bestimmte Blutdrucksenker und Mittel gegen Haarausfall können die Libido dämpfen. Genau in diesem Zusammenhang liegt übrigens die einzige Maca-Studie, die beide Geschlechter einschloss, siehe auch die Datenlage bei Frauen. Wer eine solche Veränderung nach dem Beginn einer Medikation bemerkt, sollte das in der Arztpraxis ansprechen, statt es mit einem Präparat zu überdecken.
Dazu kommt der Zusammenhang mit der Beziehung selbst, der sich keiner Messung fügt und trotzdem der häufigste Faktor überhaupt ist. Keine dieser Ursachen lässt sich mit einer Knolle beheben. Das ist kein Argument gegen einen Versuch mit Maca, aber eines dafür, zuerst die naheliegenden Dinge zu prüfen.
Was größere Effekte hat als jede Kapsel
Die unbequeme Einordnung zum Schluss: Die Dinge mit dem größten belegten Einfluss auf Lust und Sexualfunktion kosten nichts. Schlafmangel senkt das Testosteron messbar, in einer kontrollierten Untersuchung reichte eine Woche mit fünf Stunden Schlaf. Übergewicht, Rauchen, Alkohol und Bewegungsmangel wirken über die Gefäße direkt auf die Erektionsfähigkeit.
Dazu kommen zwei Faktoren, die in keiner Supplement-Werbung vorkommen: Stress und die Beziehung selbst. Beide sind bei Lustproblemen häufiger die Ursache als ein Hormonmangel. Eine Kapsel adressiert davon nichts. Die vollständige Gegenüberstellung von Lebensstil und Präparaten steht in unserer Übersicht zu Testosteron und Lebensstil.
Damit ist Maca nicht wertlos. Es ist die einzige Substanz in unserem Vergleich, bei der ein sexueller Endpunkt kontrolliert gemessen wurde und etwas herauskam. Nur ist der Effekt klein, die Datenbasis schmal, und er ersetzt nichts von dem, was oben steht.
Steigert Maca die Libido?
Mehrere kleine kontrollierte Studien berichten höhere Werte beim sexuellen Verlangen nach acht bis zwölf Wochen. Gemessen wurde die Selbsteinschätzung per Fragebogen, die Gruppen umfassten 20 bis 50 Personen. Eine systematische Übersicht nennt die Hinweise vorhanden, die Datenbasis aber zu dünn für ein abschließendes Urteil.
Wie schnell wirkt Maca auf die Lust?
In der Studie mit den genauesten Angaben zeigte sich der Unterschied zur Placebogruppe erst nach etwa acht Wochen. Kein Befund stützt eine kurzfristige Wirkung. Maca ist kein Mittel für den Abend, sondern eines, das über Wochen eingenommen wird oder gar nicht.
Hilft Maca bei Erektionsproblemen?
Dazu gibt es eine Studie mit 50 Männern und leicht ausgeprägter Störung, die bessere Fragebogenwerte berichtete. Das ist ein Hinweis und keine Grundlage für einen Vergleich mit zugelassenen Medikamenten. Eine neu aufgetretene Erektionsstörung sollte ärztlich abgeklärt werden, weil sie ein frühes Warnsignal für Gefäßprobleme sein kann.
Wirkt Maca bei Frauen genauso auf die Lust?
Untersucht wurde es überwiegend an Männern. Eine Studie an Menschen mit Sexualstörungen unter Antidepressiva schloss beide Geschlechter ein und fand bei höherer Dosis bessere Werte, allerdings in einer sehr kleinen Gruppe. Für eine belastbare Aussage speziell zu Frauen reicht das nicht.
- Gonzales, G. F. et al. (2002). Effect of Lepidium meyenii (MACA) on sexual desire and its absent relationship with serum testosterone levels in adult healthy men. Andrologia 34(6):367–372. PubMed-Eintrag
- Shin, B. C. et al. (2010). Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complement Altern Med 10:44. Übersichtsarbeit ansehen
- Zenico, T. et al. (2009). Subjective effects of Lepidium meyenii extract on well-being and sexual performance in patients with mild erectile dysfunction. Andrologia 41(2):95–99. PubMed-Eintrag
- Dording, C. M. et al. (2008). A double-blind, randomized, pilot dose-finding study of maca root for antidepressant-induced sexual dysfunction. CNS Neurosci Ther 14(3):182–191. PubMed-Eintrag
- Stone, M. et al. (2009). A pilot investigation into the effect of maca supplementation on physical activity and sexual desire in sportsmen. J Ethnopharmacol 126(3):574–576. PubMed-Eintrag
- Leproult, R., Van Cauter, E. (2011). Effect of 1 week of sleep restriction on testosterone levels in young healthy men. JAMA 305(21):2173–2174. PubMed-Eintrag
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.