Tongkat Ali und die legalen Alternativen im Studien-Check

Sicherheit

Was Maca an Nebenwirkungen auslösen kann

Am häufigsten sind Blähungen und Bauchbeschwerden, verursacht durch die Stärke im Pulver und vor allem bei roher Ware. Der Punkt, der in deutschen Texten meist fehlt: Maca ist ein Kreuzblütler und enthält Glucosinolate, die bei großen Mengen die Jodaufnahme stören können. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte das ärztlich abklären.

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Belegt gegen behauptet

Maca hat einen Vorteil, den die meisten Substanzen in diesem Feld nicht haben: Es wird in Peru seit Langem in größeren Mengen als Lebensmittel gegessen. Diese Gebrauchsgeschichte ersetzt keine Sicherheitsstudie, aber sie ist ein ernstzunehmendes Argument dafür, dass die Knolle in üblichen Mengen keine dramatischen Probleme macht.

Die folgende Tabelle trennt, was in Studien und Fallberichten dokumentiert ist, von dem, was in Foren kursiert.

Berichtete WirkungDatenlageEinordnung
Blähungen, Bauchschmerzen, DurchfallHäufigste Meldung in Studien und Berichten, vor allem bei rohem PulverDokumentiert
Unruhe, SchlafstörungenWiederkehrend berichtet, besonders bei Einnahme am AbendPlausibel
KopfschmerzenVereinzelt berichtet, meist bei höheren MengenVereinzelt
SchilddrüsenfunktionGlucosinolate können in größeren Mengen die Jodaufnahme störenTheoretisch begründet
BlutdruckanstiegKeine kontrollierten Daten, die einen Anstieg zeigenNicht belegt
HerzrasenNur Einzelberichte ohne UrsachenzuordnungNicht belegt
HaarausfallKeine Studien, kein plausibler MechanismusNicht belegt
Hormonelle EntgleisungStudien fanden keine Veränderung der HormonwerteNicht belegt

Bemerkenswert ist die untere Hälfte. Haarausfall und Herzrasen gehören zu den meistgesuchten Begriffen rund um Maca-Nebenwirkungen, und für beide gibt es keinerlei Datengrundlage. Sie sind vermutlich aus der Verwechslung mit anderen Präparaten und aus Kombiprodukten entstanden.

Der Magen ist das eigentliche Thema

Die mit Abstand häufigste unerwünschte Wirkung ist banal: Blähungen und ein Drücken im Bauch. Die Ursache liegt nicht in einem exotischen Wirkstoff, sondern in der Stärke. Maca besteht zu einem großen Teil daraus, und rohes Pulver liefert sie in einer Form, die der Darm schlecht aufschließt.

Daraus folgt der praktischste Ratschlag dieser Seite: Wer Probleme hat, sollte zuerst die Form wechseln, nicht die Substanz aufgeben. Gelatiniertes Maca ist erhitzt und dadurch deutlich bekömmlicher. Zweitens hilft es, mit etwa einem Gramm zu beginnen und langsam zu steigern, statt sofort mit drei Gramm einzusteigen. Wie sich die Mengen einordnen, steht bei der Menge und Einstieg bei Maca.

In Peru wird Maca traditionell gekocht oder geröstet gegessen, nicht roh. Das rohe Pulver ist eine westliche Rohkost-Idee. Wer sich also auf die jahrhundertelange sichere Verwendung beruft, beruft sich streng genommen auf die erhitzte Form.

Die Schilddrüse: der Punkt, der meist fehlt

Maca gehört zu den Kreuzblütlern, wie Brokkoli, Kohl und Radieschen. Diese Pflanzenfamilie enthält Glucosinolate, aus denen im Körper Verbindungen entstehen können, die die Jodaufnahme in die Schilddrüse hemmen. Solche Stoffe heißen Goitrogene, wörtlich kropfbildend.

Bevor das Panik auslöst, gehört die Einordnung dazu: Dieser Effekt ist bei ausreichender Jodversorgung und üblichen Verzehrmengen für die meisten Menschen ohne praktische Bedeutung. Er wird relevant bei sehr hohen Mengen roher Ware, bei bestehendem Jodmangel oder bei einer vorhandenen Schilddrüsenerkrankung. Erhitzen verringert den Gehalt an diesen Verbindungen deutlich.

Praktisch heißt das: Wer eine Schilddrüsenunterfunktion hat, Hashimoto oder L-Thyroxin einnimmt, sollte die Einnahme mit der behandelnden Praxis besprechen und nicht auf gut Glück starten. Das ist dieselbe Vorsicht, die wir bei Ashwagandha und der Schilddrüse beschrieben haben, dort allerdings aus einem ganz anderen Grund.

Blutdruck, Herz und die Suchbegriffe dazu

„Maca Nebenwirkungen Blutdruck“ und „Maca Herzrasen“ werden auffällig häufig gesucht. Kontrollierte Daten, die einen Blutdruckanstieg durch Maca zeigen, gibt es nicht. Eine kleine Studie an Frauen nach den Wechseljahren berichtete sogar eher günstige Werte, ist aber zu klein für eine belastbare Aussage in die eine oder andere Richtung.

Woher kommen die Berichte dann? Zwei Erklärungen liegen nahe. Erstens die berichtete anregende Wirkung, die als Unruhe und Herzklopfen wahrgenommen werden kann, ohne dass sich der gemessene Blutdruck ändert. Zweitens Kombipräparate: Sehr viele Produkte enthalten zusätzlich Koffein, Guarana, Ginseng oder L-Arginin. Wenn dabei das Herz rast, landet der Bericht trotzdem unter dem Namen, der am größten auf der Dose steht.

Wer eine Herzerkrankung hat oder Blutdruckmittel nimmt, sollte deshalb nicht die Maca-Studien lesen, sondern die vollständige Zutatenliste des konkreten Produkts, und im Zweifel die Arztpraxis fragen.

Wer besser die Finger davon lässt

Es gibt einige Situationen, in denen Zurückhaltung angebracht ist. Nicht, weil ein Schaden nachgewiesen wäre, sondern weil belastbare Daten fehlen und das Risiko damit unbekannt ist.

Schwangerschaft und Stillzeit: Hier liegen keine aussagekräftigen Untersuchungen vor. Das ist der klassische Fall, in dem „nicht untersucht“ nicht mit „unbedenklich“ verwechselt werden darf. Die Frage gehört in die Sprechstunde bei Hebamme, Frauenarzt oder Frauenärztin, nicht in ein Forum. Was in der Zeit davor gilt, steht bei Maca in der Kinderwunschzeit.

Schilddrüsenerkrankungen: Siehe oben, ärztlich abklären. Hormonabhängige Erkrankungen: Auch wenn Maca die gemessenen Hormonwerte nicht verändert hat, fehlen Daten für Menschen mit hormonabhängigen Tumorerkrankungen. Zurückhaltung ist hier die vernünftige Grundhaltung. Kinder und Jugendliche: Keine Daten, kein Grund.

Dauermedikation: Systematische Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln existieren für Maca praktisch nicht. Das bedeutet nicht, dass es keine gibt, sondern dass niemand danach gesucht hat. Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte das Präparat in der Apotheke oder Praxis ansprechen.

Warum Kombipräparate das eigentliche Risiko sind

Ein großer Teil der Maca-Produkte im deutschen Handel enthält nicht nur Maca. Üblich sind Zusätze wie L-Arginin, Zink, Tribulus, Ginseng, Guarana, Koffein oder ein Vitaminkomplex. Auf der Vorderseite steht groß Maca, die übrigen Zutaten stehen klein auf der Rückseite.

Für die Sicherheitsbewertung dreht das die Lage um. Maca selbst hat ein unauffälliges Profil. Koffein und Guarana können Herzklopfen und Unruhe auslösen, hoch dosiertes Zink über längere Zeit den Kupferhaushalt stören, Ginseng ist für Wechselwirkungen mit Blutverdünnern bekannt. Wenn also jemand nach einem „Maca-Produkt“ Beschwerden bekommt, liegt die Ursache häufiger in der Begleitung als in der Knolle.

Die praktische Konsequenz ist einfach: Lies die vollständige Zutatenliste, bevor du ein Produkt kaufst, und nicht nur den Produktnamen. Wer wissen will, ob Maca bei ihm etwas bewirkt, sollte ohnehin ein reines Produkt wählen, weil sich sonst hinterher nicht sagen lässt, woran eine Veränderung lag.

Qualität, Herkunft und Schwermetalle

Maca ist eine Knolle und nimmt auf, was im Boden ist. Bei Wurzelgemüse aus unklarer Herkunft ist die Belastung mit Schwermetallen wie Cadmium oder Blei deshalb ein realistischeres Thema als jede pharmakologische Nebenwirkung. Das ursprüngliche Anbaugebiet liegt in den peruanischen Hochanden, und ein großer Teil des Weltmarkts wird inzwischen aus China beliefert.

Woran du ein sorgfältiges Produkt erkennst: Der Hersteller nennt das Anbaugebiet konkret, nicht nur „aus den Anden“, und er lässt chargenweise auf Schwermetalle, Pestizide und mikrobiologische Belastung prüfen. Wer solche Analysen auf Anfrage herausgibt oder verlinkt, sagt damit mehr über seine Sorgfalt aus als jedes Siegel auf der Packung.

Ein Bio-Siegel deckt Pestizide ab, aber nicht automatisch Schwermetalle, weil diese aus dem Boden stammen und nicht aus der Behandlung. Beides ist also nicht dasselbe, auch wenn es im Regal so aussieht.

Was bei zu viel passiert

Eine gesetzliche Höchstmenge gibt es nicht. Was bei deutlich zu hohen Mengen berichtet wird, ist überwiegend verdauungsbedingt: krampfartige Bauchschmerzen, Durchfall, Unwohlsein. Dazu kommt bei sehr hohen Mengen roher Ware der oben beschriebene Schilddrüsenaspekt.

Dramatische Vergiftungsfälle sind nicht dokumentiert, was zur Einstufung als Lebensmittel passt. Trotzdem gibt es keinen sinnvollen Grund, über die untersuchten drei Gramm hinauszugehen: Die einzige Studie, die zwei Mengen verglich, fand bei der höheren keinen Zusatznutzen.

Woran du merkst, dass du es absetzen solltest

Weil Maca kein Medikament mit bekanntem Nebenwirkungsprofil ist, gibt es keine Liste von Warnzeichen aus einer Fachinformation. Was bleibt, ist gesunder Menschenverstand, und der reicht in diesem Fall weit.

Beschwerden, die klar mit dem Beginn der Einnahme zusammenfallen und beim Weglassen wieder verschwinden, sind ein hinreichender Grund aufzuhören. Das gilt für anhaltende Bauchbeschwerden ebenso wie für Schlafprobleme, die vorher nicht da waren. Niemand muss ein Nahrungsergänzungsmittel durchhalten, dessen bestbelegter Nutzen in Fragebogenwerten kleiner Studien liegt.

Ein Absetzsyndrom ist bei Maca nicht beschrieben. Du kannst es also von einem Tag auf den anderen weglassen, ohne aussschleichen zu müssen. Genau das ist übrigens der einfachste Selbsttest: zwei Wochen pausieren und schauen, ob dir etwas fehlt. Wie aussagekräftig solche Selbstversuche sind und wo ihre Grenzen liegen, steht bei den der Einordnung von Selbstversuchen bei Maca.

Was Verbraucherschützer bemängeln

Die Verbraucherzentrale hat Maca gemeinsam mit Kudzu und Ashwagandha in einem Marktcheck aufgegriffen. Der Kritikpunkt lautet nicht „gefährlich“, sondern dass für diese Pflanzen in Nahrungsergänzungsmitteln nur unzureichende Sicherheitsnachweise vorliegen.

Dahinter steckt genau die Unterscheidung, die auf dieser Seite mehrfach vorkommt: Eine Knolle, die in den Anden als Nahrungsmittel gegessen wird, ist nicht dasselbe wie ein 20:1-Extrakt in einer Kapsel. Die lange Gebrauchsgeschichte deckt die konzentrierte Form nicht automatisch mit ab, und untersucht wurde überwiegend das Pulver.

Für dich heißt das: Je konzentrierter das Produkt, desto weiter entfernt es sich von der Datenlage, auf die sich der gute Sicherheitsruf stützt. Das ist ein Argument für schlichte Pulverprodukte in der untersuchten Menge, nicht für das, was am stärksten beworben wird.

Ein Punkt betrifft Frauen besonders: In den Tierversuchen, auf die sich die Behördenbewertung stützt, wurden unter anderem erhöhte Uterusgewichte beobachtet. Die Einordnung dazu steht bei Maca und der Datenlage bei Frauen.

Welche Nebenwirkungen hat Maca?

Am häufigsten Blähungen und Bauchbeschwerden, verursacht durch die Stärke im Pulver, vor allem in roher Form. Berichtet werden außerdem Unruhe und Einschlafprobleme bei abendlicher Einnahme sowie gelegentlich Kopfschmerzen. Schwere Nebenwirkungen sind nicht dokumentiert.

Kann Maca die Schilddrüse beeinflussen?

Maca ist ein Kreuzblütler und enthält Glucosinolate, die in größeren Mengen und in roher Form die Jodaufnahme hemmen können. Bei ausreichender Jodversorgung und üblichen Mengen hat das für die meisten Menschen keine praktische Bedeutung. Wer eine Schilddrüsenerkrankung hat, sollte die Einnahme ärztlich abklären.

Verursacht Maca Haarausfall?

Dafür gibt es weder Studien noch einen plausiblen Mechanismus. Da Maca die gemessenen Hormonwerte nicht verändert, fehlt auch der Weg, über den ein solcher Effekt entstehen könnte. Der Suchbegriff stammt vermutlich aus der Verwechslung mit anderen Präparaten.

Darf man Maca in der Schwangerschaft einnehmen?

Dazu liegen keine aussagekräftigen Daten vor, und fehlende Daten sind kein Freibrief. Dasselbe gilt für die Stillzeit. Diese Frage gehört in die Sprechstunde bei Hebamme oder Frauenarztpraxis und sollte nicht anhand von Forenberichten entschieden werden.

Kann Maca den Blutdruck erhöhen?

Kontrollierte Daten, die einen Anstieg zeigen, gibt es nicht. Berichte über Herzklopfen stammen häufig aus Kombipräparaten, die zusätzlich Koffein, Guarana oder Ginseng enthalten. Wer Blutdruckmittel nimmt, sollte die vollständige Zutatenliste des Produkts prüfen und im Zweifel ärztlich nachfragen.

  1. Verbraucherzentrale. Kudzu, Schlafbeere, Maca: Riskante Pflanzen in Nahrungsergänzungsmitteln. Marktcheck ansehen
  2. Wang, S., Zhu, F. (2019). Chemical composition and health effects of maca (Lepidium meyenii). Food Chem 288:422–443. Übersichtsarbeit ansehen
  3. Gonzales-Arimborgo, C. et al. (2016). Acceptability, safety, and efficacy of oral administration of extracts of black or red maca in adults. Pharmaceuticals 9(3):49. PubMed-Eintrag
  4. Felker, P., Bunch, R., Leung, A. M. (2016). Concentrations of thiocyanate and goitrin in human plasma, their precursor concentrations in brassica vegetables, and associated potential risk for hypothyroidism. Nutr Rev 74(4):248–258. PubMed-Eintrag
  5. Stojanovska, L. et al. (2015). Maca reduces blood pressure and depression in a pilot study in postmenopausal women. Climacteric 18(1):69–78. PubMed-Eintrag
  6. NCCIH (US National Center for Complementary and Integrative Health). Maca. Behördenseite ansehen

Über den Autor

Rainer Lang

Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration

Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.

Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.

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