Studien-Check
Hebt Maca den Testosteronspiegel?
Nein, jedenfalls nicht nach dem, was kontrolliert gemessen wurde. Mehrere Studien haben Testosteron, LH, FSH und Estradiol mitbestimmt und fanden keinen Unterschied zur Placebogruppe. Höhere Werte gab es nur beim sexuellen Verlangen, also bei einem Fragebogen und nicht im Blutbild.
Die kurze Antwort auf die meistgestellte Frage
Erhöht Maca den Testosteronspiegel? Nach dem, was kontrolliert gemessen wurde: nein. Es gibt mehrere Studien, die genau diesen Wert mitbestimmt haben, und sie fanden keinen Unterschied zwischen Maca- und Placebogruppe. Das ist ungewöhnlich klar für dieses Feld, in dem sonst meist „zu wenige Daten“ die Antwort ist.
Der Grund, warum trotzdem in jedem zweiten Shop „Testosteron-Booster“ auf der Maca-Dose steht, liegt woanders: Die Studien fanden sehr wohl etwas, nämlich höhere Werte beim sexuellen Verlangen. Und weil Libido und Testosteron im Alltagsverständnis dasselbe Thema sind, wandert der eine Befund im Marketing auf das andere Etikett.
Das ist keine Kleinigkeit. Wer einen ärztlich festgestellten niedrigen Testosteronwert hat und Maca dagegen kauft, gibt Geld für etwas aus, das diesen Wert nach heutiger Datenlage nicht bewegt.
Was die einzelnen Studien gemessen haben
Die Zahl der kontrollierten Studien am Menschen ist überschaubar. Die folgende Tabelle listet die, die Hormonwerte tatsächlich mitbestimmt haben, statt sie nur zu behaupten.
| Studie | Teilnehmer und Dauer | Ergebnis Hormonwerte |
|---|---|---|
| Gonzales 2002 | 21 Männer, 1,5 oder 3 g, 12 Wochen | Testosteron und Estradiol unverändert, Libido-Werte höher |
| Gonzales 2003 | Gesunde Männer, 12 Wochen | Keine Veränderung von Testosteron, LH, FSH, Prolaktin |
| Melnikovova 2015 | 20 Männer, 1,75 g, 12 Wochen | Hormonwerte ohne signifikante Veränderung, Spermienparameter besser |
| Stone 2009 | 8 Radfahrer, 2 g, 14 Tage | Kein Hormonendpunkt, Fokus auf Leistung und Libido |
| Zenico 2009 | 50 Männer, leichte ED, 12 Wochen | Kein Hormonendpunkt, Fragebogenwerte besser |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Wo Hormone gemessen wurden, blieben sie gleich. Zweitens: Die Gruppen sind winzig, 8 bis 50 Teilnehmer. Selbst der Befund zur Libido ruht damit auf einer schmalen Basis, und ein großer Teil der Arbeiten stammt aus derselben peruanischen Forschungsgruppe.
Warum Männer trotzdem Wirkung berichten
Wenn der Hormonwert gleich bleibt und die Fragebogenwerte steigen, ist die naheliegende Erklärung nicht Betrug, sondern dass Lust nicht nur eine Frage des Testosteronspiegels ist. Sexuelles Verlangen hängt an Schlaf, Stress, Beziehung, Erwartung und Tagesform. Ein Mittel, das an einer dieser Stellen etwas verschiebt, kann die Selbsteinschätzung verändern, ohne eine einzige Hormonachse anzurühren.
Dazu kommt der Placeboeffekt, der bei sexuellen Endpunkten besonders kräftig ausfällt. In vielen Studien zu Erektionsproblemen bessern sich auch die Placebogruppen deutlich. Genau deshalb sind kleine, unverblindete oder herstellernahe Untersuchungen bei diesem Thema so schwer zu deuten.
Praktisch bedeutet das: Wenn du Maca nimmst und mehr Lust verspürst, ist das eine echte Erfahrung, die dir niemand ausreden muss. Sie belegt nur nicht, dass dein Testosteron gestiegen ist. Und sie sagt nichts darüber, ob der Effekt bei dir aus der Knolle kam oder aus dem Umstand, dass du etwas für dich getan hast.
Gesamttestosteron, freies Testosteron, bioverfügbar
Wer Studien zu diesem Thema liest, stößt auf drei Werte, die gern durcheinandergehen. Gesamttestosteron ist alles, was im Blut zirkuliert. Der größte Teil davon ist fest an das Transportprotein SHBG gebunden und steht dem Körper nicht zur Verfügung. Freies Testosteron ist der kleine ungebundene Anteil, meist ein bis zwei Prozent. Bioverfügbares Testosteron ist das freie plus der locker an Albumin gebundene Anteil.
Diese Unterscheidung ist der Grund, warum manche Werbetexte technisch nicht falsch und trotzdem irreführend sind. Bei Maca stellt sich die Frage allerdings gar nicht in dieser Schärfe, weil schon beim Gesamtwert nichts passiert. Bei anderen Substanzen wird der Unterschied entscheidend, etwa bei Bockshornklee und dem Testosteronversprechen, wo der Gesamtwert sich minimal bewegt und der freie Wert nicht.
Was mit Spermien passiert, und warum das etwas anderes ist
Ein Befund taucht in mehreren kleinen Arbeiten auf: mehr Spermien und bessere Beweglichkeit, während die Hormonwerte unverändert bleiben. Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Die Spermienbildung hängt von mehr ab als vom Testosteron im Blut, unter anderem von oxidativem Stress in den Hoden, und dort könnten Inhaltsstoffe der Knolle ansetzen.
Die Betonung liegt auf „könnten“. Es handelt sich um kleine Gruppen, kurze Zeiträume und Laborwerte, nicht um Schwangerschaftsraten. Wer aus diesen Daten ein Mittel bei unerfülltem Kinderwunsch ableitet, geht deutlich weiter, als die Studien tragen. Das ist ein Thema für eine Kinderwunschsprechstunde und nicht für eine Kapsel aus dem Internet. Die vollständige Datenlage zu Spermienwerten und Schwangerschaft steht auf einer eigenen Seite.
Wie Maca gegen die anderen Kandidaten dasteht
Beim Endpunkt Testosteron steht Maca dort, wo auch Tribulus steht: bei „nicht belegt“, und zwar nicht mangels Daten, sondern weil gemessen und nichts gefunden wurde. Das unterscheidet es von Substanzen, bei denen die Datenlage nur dünn ist.
Besser sieht es bei Zink und Vitamin D aus, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Dort steigt der Wert nur, wenn vorher ein Mangel bestand. Bei normal versorgten Männern passiert auch damit nichts. Und die größten Hebel liegen ohnehin nicht in Kapseln. Eine Woche mit fünf Stunden Schlaf senkte in einer kontrollierten Untersuchung das Testosteron gesunder junger Männer spürbar. Die vollständige Rangfolge steht in unserer Bewertung aller Testosteron-Kandidaten.
Warum die Studienlage so dünn geblieben ist
Eine Frage, die selten gestellt wird: Wenn Maca seit über zwanzig Jahren als Potenzmittel verkauft wird, warum gibt es dann immer noch keine große, saubere Studie? Die Antwort hat wenig mit der Pflanze zu tun und viel mit Geld. Eine Knolle lässt sich nicht patentieren. Wer eine Studie mit mehreren hundert Teilnehmern finanziert, schafft damit Wissen, von dem jeder Mitbewerber genauso profitiert.
Die Folge sieht man an der Quellenliste: kleine Gruppen, kurze Zeiträume, oft dieselbe Forschungsgruppe in Peru, wo Maca ein Exportgut mit nationaler Bedeutung ist. Das ist kein Vorwurf, aber es erklärt, warum eine systematische Übersicht von 2010 zu dem Schluss kam, dass die Belege begrenzt sind und größere Studien fehlen. Seitdem hat sich daran wenig geändert.
Für dich heißt das zweierlei. Erstens: „Nicht belegt“ bedeutet hier bei Testosteron tatsächlich „gemessen und nichts gefunden“, das ist die belastbarere Aussage. Zweitens: Bei den positiven Befunden zur Libido heißt „moderat“ nicht „gesichert“, sondern „mehrfach berichtet, aber auf schmaler Basis“. Wer den Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen im Kopf behält, liest Produktseiten ganz anders.
Tierstudien, und warum sie hier so oft zitiert werden
Wer nach Maca und Testosteron sucht, stößt schnell auf Aussagen, die deutlich optimistischer klingen als alles oben. Sie stammen fast immer aus Tierversuchen, meist an Ratten, häufig mit schwarzem Maca. Dort finden sich Effekte auf Samenqualität, Prostatagewicht oder Verhalten.
Solche Arbeiten sind nicht wertlos, sie zeigen, wo sich Weiterforschen lohnt. Sie taugen aber nicht als Kaufargument. Nagetiere bekommen umgerechnet oft ein Vielfaches der menschlichen Dosis, ihr Hormonsystem reagiert anders, und die Endpunkte sind andere. Der entscheidende Punkt: Beim Menschen wurde genau dieser Wert mehrfach gemessen und blieb gleich. Eine Rattenstudie ersetzt kein Ergebnis am Menschen, sie steht davor.
Als Faustregel beim Lesen von Produkttexten: Wird eine „Studie“ ohne Teilnehmerzahl und ohne Angabe, ob es um Menschen ging, zitiert, lohnt der Blick in die Originalquelle. In diesem Feld ist das erstaunlich oft der Unterschied zwischen einem Befund und einer Behauptung.
Wenn du deinen Wert wirklich wissen willst
Viele Männer kaufen Präparate gegen einen Verdacht, nicht gegen einen Befund. Dabei ist der Wert bestimmbar. Testosteron wird morgens gemessen, weil es einem Tagesrhythmus folgt und die Werte am Vormittag am höchsten liegen. Ein einzelner Wert reicht in der Regel nicht, üblich sind zwei Messungen an verschiedenen Tagen.
Wichtig ist auch, was mitbestimmt wird. Gesamttestosteron allein sagt wenig, wenn SHBG stark erhöht oder erniedrigt ist. Deshalb gehören SHBG und häufig auch LH dazu. Erst diese Kombination erlaubt eine sinnvolle Einordnung, und die gehört in eine Arztpraxis, nicht in ein Forum.
Der Grund, warum das hierher gehört: Wer seinen Wert kennt, kann die Frage nach Maca überhaupt sinnvoll stellen. Liegt ein echter Mangel vor, ist das ein medizinisches Thema mit medizinischen Antworten. Liegt der Wert im Normbereich, gibt es kein Präparat, das ihn nachweislich weiter anhebt, und das gilt für alle 14 Substanzen in unserer Übersicht, nicht nur für Maca.
Was auf der Packung steht und was es bedeutet
Drei Formulierungen begegnen dir immer wieder. „Unterstützt den Testosteronspiegel“ klingt nach Beleg, ist aber ein Werbesatz ohne zugelassenen Health Claim dahinter. „Traditionell verwendet“ beschreibt Gebrauchsgeschichte, keine geprüfte Wirkung. „Hochdosiert 20:1“ sagt etwas über die Konzentration des Extrakts, aber nichts darüber, ob diese Konzentration je in einer Studie geprüft wurde.
Der praktische Test ist einfach: Steht auf der Packung ein Versprechen zum Hormonspiegel, dann verkauft dir jemand etwas, das die vorliegenden Studien nicht hergeben. Welche Mengen tatsächlich untersucht wurden, steht bei der Menge, Zeitpunkt und Form bei Maca.
Der Endpunkt, an dem stattdessen etwas gemessen wurde, ist das sexuelle Verlangen. Warum das nicht dasselbe ist und wie belastbar die Zahlen dort sind, steht bei Maca und dem sexuellen Verlangen.
Erhöht Maca den Testosteronspiegel?
Nach den vorliegenden kontrollierten Studien nicht. Mehrere Untersuchungen haben Testosteron, LH, FSH und Estradiol mitgemessen und fanden keinen Unterschied zur Placebogruppe. Die höheren Libido-Werte in denselben Studien entstanden ohne Veränderung der Hormonwerte.
Warum wird Maca dann als Testosteron-Booster verkauft?
Weil Libido und Testosteron im Alltagsverständnis dasselbe Thema sind. Die Studien fanden höhere Werte beim sexuellen Verlangen, und dieser Befund wandert im Marketing auf das Etikett „Testosteron“. Belegt ist damit nur das eine, beworben wird das andere.
Bringt Maca beim Muskelaufbau etwas?
Zu Muskelmasse am Menschen liegen keine belastbaren Studien vor. Da auch der Hormonspiegel unverändert bleibt, fehlt der naheliegende Wirkmechanismus. Wer Muskelaufbau als Ziel hat, findet bei Kreatin eine ungleich bessere Datenlage.
Verbessert Maca die Spermienqualität?
Einzelne kleine Studien berichten mehr und beweglichere Spermien bei unveränderten Hormonwerten. Die Gruppen umfassten rund 20 Männer, gemessen wurden Laborwerte und keine Schwangerschaftsraten. Für einen unerfüllten Kinderwunsch ist das die falsche Adresse, dafür ist eine Kinderwunschsprechstunde zuständig.
- Gonzales, G. F. et al. (2002). Effect of Lepidium meyenii (MACA) on sexual desire and its absent relationship with serum testosterone levels in adult healthy men. Andrologia 34(6):367–372. PubMed-Eintrag
- Gonzales, G. F. et al. (2003). Effect of Lepidium meyenii (Maca), a root with aphrodisiac and fertility-enhancing properties, on serum reproductive hormone levels in adult healthy men. J Endocrinol 176(1):163–168. PubMed-Eintrag
- Melnikovova, I. et al. (2015). Effect of Lepidium meyenii Walp. on semen parameters and serum hormone levels in healthy adult men. Evid Based Complement Alternat Med 2015:324369. PubMed-Eintrag
- Stone, M. et al. (2009). A pilot investigation into the effect of maca supplementation on physical activity and sexual desire in sportsmen. J Ethnopharmacol 126(3):574–576. PubMed-Eintrag
- Shin, B. C. et al. (2010). Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complement Altern Med 10:44. Übersichtsarbeit ansehen
- Leproult, R., Van Cauter, E. (2011). Effect of 1 week of sleep restriction on testosterone levels in young healthy men. JAMA 305(21):2173–2174. PubMed-Eintrag
Über den Autor
Rainer Lang
Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration
Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.
Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.