Tongkat Ali und die legalen Alternativen im Studien-Check

Studienlage

Tongkat Ali Dosierung: Was die Studienlage zu Mengen zeigt

In den meisten klinischen Studien wurden 200 bis 400 mg eines standardisierten Wurzelextrakts pro Tag eingesetzt, über vier bis zwölf Wochen. Diese Mengen sind Studienprotokolle, keine Verzehrempfehlung: Die EFSA hat 2021 festgestellt, dass die Sicherheit von Tongkat-Ali-Wurzelextrakt unter keiner Verwendungsbedingung als belegt gilt.

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Tongkat Ali ist in der EU nicht als Lebensmittel zugelassen. Dieser Text beschreibt ausschließlich, welche Mengen in der Forschung untersucht wurden. Er ist keine Einnahmeempfehlung und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Wie viele mg wurden in klinischen Studien eingesetzt?

Die am häufigsten untersuchte Menge ist 200 mg pro Tag eines standardisierten, wasserlöslichen Wurzelextrakts. Talbott und Kollegen gaben 2013 in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie 200 mg täglich über vier Wochen an 63 moderat gestresste Erwachsene. Beobachtet wurden Verbesserungen bei Anspannung, Ärger und Verwirrtheit sowie Veränderungen im Speichel-Cortisol und im Speichel-Testosteron.

Tambi und Kollegen setzten 2012 ebenfalls 200 mg täglich ein, über einen Monat, bei 76 Männern mit spät einsetzendem Hypogonadismus. Auch hier deuten die Ergebnisse auf Veränderungen der Testosteronwerte und der Symptomskala hin. Eine Metaanalyse von Leisegang und Kollegen aus dem Jahr 2022 fasste fünf randomisierte Studien zusammen und berichtet einen statistisch signifikanten Anstieg des Gesamttestosterons, mit dem deutlichsten Signal bei Männern mit niedrigen Ausgangswerten.

Höhere Mengen kommen in der Literatur vor, sind aber deutlich schlechter untersucht. In einer zweimonatigen Untersuchung an zwanzig gesunden Männern wurden 600 mg täglich eingesetzt, ohne dass auffällige Veränderungen bei Leber- oder Nierenwerten berichtet wurden. Die Teilnehmerzahl ist für eine Sicherheitsaussage jedoch zu klein.

Was bedeutet 200:1 bei einem Extrakt?

Ein Extraktverhältnis beschreibt, wie viel getrocknete Wurzel rechnerisch zu einer Einheit Extrakt verarbeitet wurde. Bei 200:1 sollen aus 200 Gramm Wurzel ein Gramm Extrakt entstanden sein. Das Verhältnis sagt jedoch nichts darüber aus, wie viel des Leitstoffs Eurycomanon tatsächlich enthalten ist, und es ist nicht standardisiert geprüft.

Deshalb sind Mengenangaben in Milligramm zwischen Produkten kaum vergleichbar. Der Extrakt, den die EFSA 2021 bewertet hat, war ein wasserlöslicher Wurzelextrakt mit 40 bis 65 Prozent Glykosaponinen und 0,8 bis 1,5 Prozent Eurycomanon. Ein Pulver ohne diese Angaben lässt sich mit den Studienmengen nicht gleichsetzen. Wie eine Dosisangabe mit echter Datengrundlage aussieht, lässt sich an der Dosierung von Kreatin ablesen, wo die Behörden sogar eine konkrete Grammzahl festgelegt haben.

FormTypische AngabeVergleichbar mit Studien?Was fehlt oft
Standardisierter Wasserextrakt200 mgJa, wenn der Eurycomanon-Gehalt deklariert istChargenprüfung
Extrakt 100:1200–400 mgNur eingeschränktLeitstoffgehalt
Extrakt 200:1200–400 mgNur eingeschränktLeitstoffgehalt, Prüfmethode
Reines Wurzelpulver1.000–2.000 mgNeinKonzentration völlig unklar

Einnahmezeitpunkt und Zyklen: Studienlage gegen Forenwissen

Die Studienprotokolle geben den Zeitpunkt meist nur grob an, häufig eine Tagesdosis am Morgen, teilweise aufgeteilt auf zwei Gaben. Ein systematischer Vergleich zwischen morgendlicher und abendlicher Gabe fehlt in der Literatur. Die verbreitete Empfehlung, nicht spät am Abend einzunehmen, stützt sich auf Berichte über Unruhe und Schlafprobleme, nicht auf kontrollierte Daten.

Ähnliches gilt für Kuren mit anschließender Pause. Vier bis acht Wochen sind ein gängiges Muster in Foren, die Studienlaufzeiten lagen meist zwischen vier und zwölf Wochen. Ob Pausen einen messbaren Vorteil bringen, wurde nicht untersucht. Wer sich für die praktische Seite interessiert, findet Details in unserem Guide zur Einnahme von Tongkat Ali.

Wichtig bleibt der rechtliche Rahmen: Auch niedrige Mengen ändern nichts daran, dass der Stoff in der EU nicht als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen ist. Warum das so ist, erklärt unsere Seite dazu, ob Tongkat Ali gefährlich ist.

Warum mehr nicht besser ist

Die EFSA hat ihre Bewertung an einem Antrag für maximal 200 mg pro Tag durchgeführt und kam trotz dieser vergleichsweise niedrigen Menge zu einem negativen Ergebnis. Ausschlaggebend waren Hinweise auf DNA-Schäden aus einem In-vitro-Chromosomenaberrationstest und einem In-vivo-Comet-Assay. Eine Menge, ab der das Risiko als unbedenklich gilt, wurde nicht abgeleitet.

Damit lässt sich aus der Forschung keine sichere Obergrenze begründen. Berichte über 800 mg oder mehr pro Tag stammen fast ausschließlich aus Erfahrungsberichten. Was Anwender dazu schildern, sammeln wir auf der Seite zu Tongkat Ali Erfahrungen.

Pulver, Kapseln oder Flüssigextrakt: was die Form für die Menge bedeutet

Die Darreichungsform verändert die Rechnung erheblich. Kapseln enthalten meist einen konzentrierten Extrakt, sodass 200 bis 400 mg pro Kapsel eine übliche Größenordnung sind. Loses Wurzelpulver ist dagegen nicht konzentriert, weshalb dort Grammangaben kursieren, die sich mit Extraktmengen nicht vergleichen lassen.

Flüssigextrakte bringen eine dritte Unbekannte mit, weil neben dem Extraktanteil auch das Lösungsmittel und der Verdünnungsgrad eine Rolle spielen. Ohne Angabe des Eurycomanon-Gehalts pro Milliliter bleibt die tatsächlich enthaltene Menge Schätzung.

Das ist der Kern des Problems bei allen Mengenangaben zu Tongkat Ali: Ohne standardisierte Analytik beschreibt die Zahl auf der Packung das Gewicht des Materials, nicht die Menge des wirksamkeitsrelevanten Inhaltsstoffs. Zwei Produkte mit identischer mg-Angabe können deshalb sehr unterschiedliche Zusammensetzungen haben.

Wie die Studienmengen überhaupt zustande kamen

Die 200-mg-Marke stammt nicht aus einer systematischen Dosisfindung. Sie geht auf frühe Untersuchungen mit einem standardisierten Wasserextrakt zurück und wurde in späteren Studien übernommen, unter anderem, weil sich Ergebnisse so vergleichen ließen. Eine Studie, die mehrere Mengen gegeneinander testet und daraus eine optimale Menge ableitet, existiert für Tongkat Ali nicht.

Das erklärt, warum in der Literatur immer wieder dieselbe Zahl auftaucht, ohne dass daraus eine Empfehlung würde. Auch die Metaanalyse von 2022 fasst Studien mit unterschiedlichen Extrakten und Laufzeiten zusammen und weist ausdrücklich auf die begrenzte und uneinheitliche Datenbasis hin.

Für die Praxis folgt daraus vor allem eines: Wer in Foren präzise Angaben zu Milligramm, Timing und Zyklen liest, sollte wissen, dass diese Genauigkeit in der Forschung keine Entsprechung hat. Die Studien beantworten die Frage, ob überhaupt etwas messbar ist, nicht die Frage nach der besten Menge.

Was aus der Studienlage nicht folgt

Aus den vorliegenden Daten lässt sich weder eine Einnahmeempfehlung noch eine sichere Obergrenze ableiten. Die untersuchten Zeiträume von vier bis zwölf Wochen sagen nichts über eine dauerhafte Anwendung aus. Die Teilnehmerzahlen von einigen Dutzend bis wenigen hundert Personen sind zu klein, um seltene Ereignisse zu erfassen.

Hinzu kommt der rechtliche Rahmen. In der EU ist der Stoff nicht als Lebensmittel zugelassen, weshalb es auch keine offizielle Verzehrmenge gibt, an der man sich orientieren könnte. Die Zahlen in diesem Text beschreiben Forschungsprotokolle und sind ausdrücklich keine Handlungsanleitung.

Warum sich die Studienmengen nicht nach Körpergewicht umrechnen lassen

In Foren taucht regelmäßig die Idee auf, die Dosis müsse ans Körpergewicht angepasst werden, meist mit einer Formel wie „x Milligramm pro Kilogramm". Diese Rechnungen stammen fast immer aus Tierversuchen, in denen Substanzen tatsächlich pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht werden. Auf Menschen lassen sie sich so nicht übertragen, denn die Umrechnung zwischen Spezies folgt eigenen Regeln und ist alles andere als eine simple Dreisatzaufgabe.

Die klinischen Studien am Menschen haben es anders gehalten: Sie verwendeten feste Tagesmengen für alle Teilnehmer, unabhängig davon, ob jemand 65 oder 95 Kilo wog. Ein 100-Kilo-Mann bekam in keiner der bekannten Untersuchungen mehr als ein 70-Kilo-Mann. Wer also seine Menge „hochrechnet", verlässt den Bereich, für den überhaupt Daten existieren, und zwar in die Richtung, in der die offenen Sicherheitsfragen größer werden, nicht kleiner.

Dasselbe gilt für die Anpassung nach Trainingszustand oder Ziel. Es gibt keine Studie, die eine „Sportler-Dosis" gegen eine „Standard-Dosis" verglichen hätte. Solche Staffelungen auf Produktetiketten sind Marketing-Architektur, keine Studienlage.

Gibt es eine eigene Dosierung für Frauen?

Kurz: Nein, und das liegt an der Studienlage. Die meisten kontrollierten Untersuchungen zu Eurycoma longifolia wurden ausschließlich mit Männern durchgeführt, weil Testosteron und Fruchtbarkeit die Hauptendpunkte waren. Die wenigen Studien mit gemischten Gruppen, etwa zur Stressbelastung, verwendeten für Frauen dieselben festen Mengen wie für Männer, ohne getrennte Auswertung der Verträglichkeit nach Geschlecht.

Eine belegte „Frauen-Dosierung" existiert deshalb nicht. Produkte, die eine solche ausweisen, haben sie sich ausgedacht. Hinzu kommt, dass die grundsätzliche Frage der EU-Zulassung für Frauen genauso gilt wie für Männer: Die EFSA konnte die Sicherheit 2021 nicht bestätigen, und diese Bewertung unterscheidet nicht nach Geschlecht. Für Schwangere und Stillende verbietet sich ein Experiment mit einer nicht zugelassenen Substanz ohnehin von selbst.

Ein Problem, das dieser Seite erspart bleibt, trifft andere Pflanzen mit voller Wucht: die Verwechslung von Gramm-Angaben für Pulver mit Milligramm-Angaben für Extrakte. Wie stark das die Zahlen verzerrt, zeigen wir am Beispiel der Mengenangaben bei Bockshornklee.

Wie viele mg wurden in Studien eingesetzt?

Am häufigsten 200 mg pro Tag eines standardisierten Wasserextrakts, über vier bis zwölf Wochen. Einzelne Untersuchungen arbeiteten mit bis zu 600 mg, allerdings mit sehr kleinen Teilnehmerzahlen.

Was bedeutet 200:1 bei einem Extrakt?

Rechnerisch wurden 200 Gramm Wurzel zu einem Gramm Extrakt verarbeitet. Über den Gehalt des Leitstoffs Eurycomanon sagt die Zahl nichts aus, deshalb sind Produkte darüber kaum vergleichbar.

Sind 800 mg pro Tag unbedenklich?

Dafür gibt es keine Belege. Die EFSA bewertete einen Antrag über 200 mg täglich und stufte die Sicherheit auch bei dieser Menge als nicht belegt ein. Eine unbedenkliche Obergrenze wurde nicht abgeleitet.

  1. EFSA NDA Panel (2021). Safety of Eurycoma longifolia (Tongkat Ali) root extract as a novel food. EFSA Journal 19(12):6937. EFSA-Gutachten
  2. Talbott, S. M. et al. (2013). Effect of Tongkat Ali on stress hormones and psychological mood state. J Int Soc Sports Nutr 10:28. Studie ansehen
  3. Tambi, M. I. B. M., Imran, M. K., Henkel, R. R. (2012). Andrologia 44(S1):226–230. PubMed-Eintrag
  4. Leisegang, K. et al. (2022). Eurycoma longifolia improves serum total testosterone in men: Metaanalyse. Medicina 58(8):1047. Metaanalyse ansehen

Über den Autor

Rainer Lang

Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration

Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.

Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.

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