Tongkat Ali und die legalen Alternativen im Studien-Check

Rechtslage

Tongkat Ali kaufen: Warum der Verkauf in Deutschland nicht zulässig ist

Tongkat Ali gilt in der EU als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel und darf deshalb nicht als Nahrungsergänzungsmittel verkauft werden. Grundlage ist die Novel-Food-Verordnung (EU) 2015/2283 zusammen mit dem EFSA-Gutachten von 2021, das die Sicherheit des Wurzelextrakts als nicht belegt einstuft.

Welches Supplement passt zu deinem Ziel? Fünf Fragen, ein Ergebnis, nichts wird gespeichert: Mach den 2-Minuten-Supplement-Test.

Diese Seite verlinkt keine Tongkat-Ali-Produkte. Sie erklärt die rechtliche Ausgangslage und ist keine Rechtsberatung.

Warum gibt es Tongkat Ali nicht bei dm oder Rossmann?

Neuartige Lebensmittel brauchen in der EU eine Zulassung, bevor sie in den Verkehr gebracht werden dürfen. Für Tongkat-Ali-Wurzelextrakt wurde ein solcher Antrag gestellt und 2021 negativ bewertet. Damit fehlt die Zulassung, und große deutsche Handelsketten führen das Produkt nicht, weil sie ihre Sortimente auf zugelassene Stoffe beschränken.

Auch Apotheken bieten Tongkat Ali in Deutschland üblicherweise nicht als Nahrungsergänzungsmittel an. Wo Angebote auftauchen, sind sie häufig als Kosmetikum, als Räucherwerk oder als Rohstoff für äußerliche Anwendungen deklariert, also ausdrücklich nicht zum Verzehr.

Was dm und Rossmann dagegen tatsächlich führen, ist die legale Alternative aus derselben Anwendungsecke: Ashwagandha, auf Deutsch Schlafbeere. Worauf dabei zu achten ist und woran sich Qualitätsunterschiede erkennen lassen, steht auf unserer Seite Schlafbeere kaufen.

Warum "nicht zum Verzehr" rechtlich wackelig ist

Ein verbreitetes Muster im Onlinehandel ist die Deklaration als Räucherwerk, Fußbadzusatz oder Sammlerstück, während die Produktseite gleichzeitig Dosierungen in Milligramm, Kapselformen und Aussagen zu Testosteron oder Libido enthält. Diese Kombination ist der Schwachpunkt.

Denn maßgeblich ist nicht allein das Etikett, sondern die erkennbare Zweckbestimmung. Wenn Aufmachung, Darreichungsform und Werbung zusammengenommen den Eindruck eines Verzehrprodukts erzeugen, greift die Lebensmittelregulierung unabhängig vom Hinweis auf der Verpackung. Wer sich auf solche Formulierungen verlässt, sollte wissen, dass sie keine belastbare Absicherung darstellen.

Aus demselben Grund führt diese Seite keine Bezugsquellen auf. Der Zweck ist Aufklärung über die Rechtslage, nicht die Vermittlung von Ware.

BezugswegStatus in DeutschlandPraktische Einordnung
dm, Rossmann, DrogerieNicht im SortimentKeine Zulassung als Nahrungsergänzung
ApothekeIn der Regel nicht als VerzehrproduktVereinzelt als Extrakt ohne Verzehrzweck
Marktplätze wie AmazonAngebote wechseln, oft umdeklariertHerkunft und Gehalt meist nicht nachvollziehbar
Import aus DrittländernZoll- und lebensmittelrechtlich heikelSendungen können angehalten werden

Qualitätsrisiken bei Importware

Weil es keinen zugelassenen EU-Markt gibt, findet auch keine reguläre Marktüberwachung für diese Produkte statt. Untersuchungen an importierten pflanzlichen Präparaten haben wiederholt Verunreinigungen mit Schwermetallen sowie nicht deklarierte Zusätze gezeigt. Für Tongkat-Ali-Produkte aus unklaren Quellen lässt sich der Gehalt an Eurycomanon in der Regel nicht überprüfen.

Dazu kommt die inhaltliche Unsicherheit: Extraktverhältnisse wie 100:1 oder 200:1 sind keine geprüften Standards. Was das für Mengenangaben bedeutet, erklären wir auf der Seite zur Tongkat Ali Dosierung.

Was das für Verbraucher bedeutet

Die EFSA-Bewertung ist der Kern der Sache. Das Gremium kam zu dem Ergebnis, dass der geprüfte Wurzelextrakt das Potenzial hat, DNA-Schäden auszulösen, und dass die Sicherheit unter keiner Verwendungsbedingung als belegt gilt. Solange diese Bewertung Bestand hat, ist eine Zulassung unwahrscheinlich.

Wer die Risikoseite im Detail nachlesen möchte, findet sie auf unserer Seite dazu, ob Tongkat Ali gefährlich ist. Welche Effekte Anwender kurzfristig schildern, steht unter Tongkat Ali Nebenwirkungen.

Wie der Novel-Food-Status überhaupt entsteht

Als neuartig gilt in der EU ein Lebensmittel, das vor Mai 1997 nicht in nennenswertem Umfang im europäischen Markt verzehrt wurde. Tongkat Ali fällt in diese Kategorie, weil die Verwendung historisch in Südostasien liegt, nicht in Europa. Damit greift eine Zulassungspflicht, unabhängig davon, wie lange der Stoff anderswo genutzt wird.

Der Weg zur Zulassung führt über einen Antrag, eine wissenschaftliche Bewertung und eine Entscheidung der Kommission. Für Tongkat-Ali-Wurzelextrakt wurde dieser Weg beschritten. Die Bewertung fiel 2021 negativ aus, weil die vorgelegten Daten die Sicherheit nicht belegen konnten. Ohne positiven Abschluss bleibt das Verkaufsverbot bestehen.

Wichtig ist die Unterscheidung: Es handelt sich nicht um ein Verbot wegen nachgewiesener Schäden, sondern um eine fehlende Zulassung. In der Praxis ist die Folge dieselbe, der Stoff darf nicht als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden.

Was für Anbieter und was für Käufer gilt

Die Regulierung richtet sich in erster Linie an diejenigen, die ein Produkt in den Verkehr bringen. Für Händler bedeutet ein Verstoß ein wettbewerbs- und lebensmittelrechtliches Risiko bis hin zu Abmahnungen und behördlichen Anordnungen. Deshalb meiden seriöse deutsche Anbieter das Thema.

Für Privatpersonen steht weniger die Sanktion im Vordergrund als das praktische Risiko. Wer im Ausland bestellt, bekommt Ware ohne europäische Kontrolle, ohne belastbare Deklaration und ohne Ansprechpartner bei Problemen. Sendungen können außerdem beim Zoll angehalten werden, was den Kauf zu einem Risiko ohne Absicherung macht.

Dazu kommt ein Punkt, der leicht übersehen wird: Rückgabe, Gewährleistung und Produkthaftung greifen bei Bestellungen aus Drittländern praktisch kaum. Im Streitfall steht der Käufer allein da.

Woran man unseriöse Angebote erkennt

Einige Muster wiederholen sich. Ein Produkt wird als Räucherwerk deklariert, die Beschreibung nennt aber Milligramm pro Tag. Es werden konkrete Wirkversprechen zu Testosteron oder Potenz gemacht, obwohl gesundheitsbezogene Angaben dieser Art in der EU nicht zulässig sind. Der Anbieter nennt kein Impressum, keine ladungsfähige Anschrift oder sitzt außerhalb der EU.

Ebenfalls typisch sind Extraktangaben wie 200:1 ohne jeden Hinweis auf den Gehalt des Leitstoffs, sowie Laborberichte, die nicht einsehbar sind oder sich nicht auf die gelieferte Charge beziehen. Ein Analysezertifikat ohne Chargennummer sagt nichts über das Produkt im Regal aus.

Warum die Suche nach "Tongkat Ali kaufen" so viele Angebote zeigt

Der Widerspruch zwischen Rechtslage und Suchergebnissen verwirrt viele Menschen. Er hat mehrere Gründe. Ein Teil der Angebote richtet sich gar nicht an den deutschen Markt, wird aber trotzdem angezeigt. Ein anderer Teil stammt von Marktplätzen, auf denen Drittanbieter einstellen und die Prüfung erst nachgelagert stattfindet, wenn überhaupt.

Hinzu kommt die Umdeklaration. Ein Produkt, das offiziell kein Lebensmittel sein will, fällt aus der Lebensmittelaufsicht heraus, jedenfalls solange niemand genauer hinsieht. Und schließlich verschwinden Angebote regelmäßig wieder, nachdem Beanstandungen eingegangen sind, was den Eindruck eines ständig wechselnden Angebots erzeugt.

Für die Einordnung heißt das: Die Sichtbarkeit eines Angebots sagt nichts über seine Zulässigkeit aus. Wer nach Bezugsquellen sucht, findet vor allem einen Graubereich, in dem Verantwortung schwer zuzuordnen ist.

Wie andere Länder damit umgehen

Der EU-Rahmen ist nicht global. In Malaysia, dem Herkunftsland, ist Tongkat Ali ein etablierter Rohstoff mit eigener behördlicher Regulierung. In den Vereinigten Staaten fällt der Stoff unter die Kategorie der Nahrungsergänzungsmittel, für die vor dem Verkauf keine Zulassung erforderlich ist. Auch in Teilen Asiens ist der Handel unproblematisch.

Daraus folgt eine oft gehörte Aussage, das Verbot sei europäische Übervorsicht. Diese Deutung greift zu kurz. Die Systeme unterscheiden sich grundlegend: Die EU verlangt einen Sicherheitsnachweis vor dem Markteintritt, andere Systeme greifen erst ein, wenn Schäden auffallen. Dass ein Produkt anderswo verkauft wird, ist deshalb kein Gegenbeweis zur EFSA-Bewertung, sondern Ausdruck eines anderen Prüfmaßstabs.

Analysenzertifikate lesen: was ein COA zeigt und was nicht

Manche Anbieter legen ihren Produkten ein Analysenzertifikat bei, oft als „COA" bezeichnet, Certificate of Analysis. Ein echtes Zertifikat nennt vier Dinge: ein unabhängiges, namentlich genanntes Labor, eine konkrete Chargennummer, die zur Nummer auf deiner Packung passt, ein Analysedatum und die geprüften Werte, typischerweise Schwermetalle, mikrobiologische Belastung und, bei besseren Dokumenten, den Gehalt des Leitstoffs Eurycomanon.

Genauso wichtig ist, was ein COA nicht leistet. Es prüft eine Charge, nicht ein Produkt auf Dauer. Es sagt nichts über die Wirkung. Und vor allem: Es ändert nichts am rechtlichen Status. Ein sauber analysiertes, schwermetallfreies Extrakt bleibt in der EU ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Ein Zertifikat ist also ein Qualitätssignal innerhalb eines Graubereichs, kein Ausweg aus ihm. Vorsicht bei Dokumenten ohne Labornamen, ohne Chargenbezug oder mit auffällig glatten Rundwerten, denn ein PDF ist schnell gebaut.

Was der Preis verrät und was nicht

Die Preisspanne im Netz ist enorm: vom Kilo Wurzelpulver für wenige Euro aus Fernost bis zum standardisierten Markenextrakt für ein Vielfaches. Diese Spanne trägt Information, aber eine begrenzte. Sehr billiges loses Pulver ist das Segment, in dem Untersuchungen am häufigsten Qualitätsprobleme fanden, von Fehldeklaration bis Belastung, und es ist zugleich das Segment ohne jede Rückverfolgbarkeit.

Umgekehrt ist teuer kein Beleg für gut. Ein hoher Preis kann einen echten standardisierten Extrakt mit Laboranalytik widerspiegeln, genauso gut aber nur Markenaufschlag und Werbebudget. Und für beide Enden der Preisskala gilt derselbe Satz: Der Preis ändert nichts an der Zulassungslage. Es gibt kein Preissegment, in dem der Kauf in der EU regulär wäre. Wer Geld für Qualität ausgeben will, findet unter den legalen Alternativen Substanzen, bei denen sich diese Rechnung wenigstens innerhalb eines geregelten Markts aufmacht.

Gibt es Tongkat Ali bei dm oder Rossmann?

Nein. Beide führen den Stoff nicht, weil ihm die Zulassung als neuartiges Lebensmittel in der EU fehlt.

Warum bieten manche Shops es trotzdem an?

Meist über eine Umdeklaration als Räucherwerk oder Badezusatz. Entscheidend ist aber die erkennbare Zweckbestimmung, weshalb solche Hinweise keine verlässliche Absicherung sind.

Wie ist die Lage beim Kauf aus dem Ausland?

Auch Privateinfuhren unterliegen dem Lebensmittelrecht der EU. Sendungen können vom Zoll angehalten werden, und die Qualität der Ware lässt sich nicht überprüfen.

  1. Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel. Verordnungstext bei EUR-Lex
  2. EFSA NDA Panel (2021). Safety of Eurycoma longifolia (Tongkat Ali) root extract as a novel food. EFSA Journal 19(12):6937. EFSA-Gutachten

Über den Autor

Rainer Lang

Herausgeber von tongkatali.de · Bachelor of Business Administration

Rainer Lang ist seit über 25 Jahren aktiver Kraftsportathlet und testet ebenso lange Nahrungsergänzungsmittel am eigenen Körper. Nichts auf dieser Seite ersetzt eine ärztliche Beratung.

Für tongkatali.de liest er die Originalstudien sowie die Bewertungen von EFSA, BfR und EMA. Mehr über den Autor und die Arbeitsweise.

Gratis-PDF

Was Shops dir nicht sagen, steht hier auf 25 Seiten.

Welche Studien der Hersteller selbst bezahlt hat. Welcher Bestseller in kontrollierten Studien durchfällt. Was die EFSA 2021 wirklich entschieden hat. Gratis als PDF.

Kein Spam. Datenschutz